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Was ich noch sagen möchte – Zu meinem Artikel „Was es wirklich bedeutet ADHS zu haben“

Liebe Brigitte-LeserInnen, Liebe Blog-LeserInnen,
 
Erstmal möchte ich alle danken die den Artikel kommentiert haben oder noch kommentieren werden.
 
Viele haben erzählt wie schwer sie es hatten oder immer noch haben, viele haben positiv kommentiert und das war richtig schön. 
Es zeigt mir dass es die richtige Entscheidung war, darüber zu schreiben. Danke!
 

Kritisch ist okay – Aber der Ton macht die Musik!

 
Was mich immer wieder traurig macht, ist Facebook und seine User. 
Ich verstehe es einfach nicht. Nirgendwo liegt das Diskussionsniveau so niedrig wie dort. Egal welche Artikel man sich anschaut, überall findet man Kommentare die unterste Schublade sind. Aber komischerweise fast nur auf Facebook. Auf den Seiten selbst sind die Kommentare meist sehr gesittet. Es scheint üblich zu sein, bei Facebook mal eben einen abwertenden Kommentar hinzurotzen. Das finde ich Schade.
Ich schreibe niemandem vor was er über ADS und ADHS zu denken hat, es ist okay wenn man das Thema kritisch sieht oder der Meinung ist, dass diese Krankheit quatsch sei. Meinungsfreiheit eben.
Aber das kann man auch auf eine niveauvolle Art vermitteln und mitteilen, anstatt andere Menschen zu beleidigen oder abzuwerten und herablassend zu sein.
 
Nur weil ich eine eigene Meinung habe und diese auch jederzeit kundtun darf, heißt das noch lange nicht, dass ich mich wie die Axt im Walde aufführen muss und meinen seelischen Müll da mit reinwerfen kann. So schafft man keine anständige Diskussion, es führt nur dazu dass andere sich zu Recht beleidigt fühlen und ganz schnell ist Streit da. Das beste Beispiel lieferte dafür der Artikel von Frau Fuhljahn über den DIY-Trend.
 

Wie der Stein ins Rollen kam

 
Dieser Artikel war übrigens der Stein des Anstoßes. Ohne diesen Artikel gäbe es meinen Artikel nicht. Frau Fuhljahn schrieb in ihrem Artikel:
 
Doch da ist noch der mit dem Boom einhergehende Narzissmus. Es ist AD, ohne H, aber mit S. Das Wesen von Narzissten liegt darin, von der Umgebung konstant Bestätigung abzuschlürfen.
 
Damit setzt Frau Fuhljahn ADS mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung gleich. Es sind genau die Vorurteile, die ich in meinem Artikel erwähnte. Und das hat mich wütend gemacht.
Das jemand wie Frau F. so etwas raushaut. Jemand der selbst ein Buch schrieb was man weitestgehend in die psychologische Sparte einordnen kann, jemand der sich Journalistin schimpft, und daher wissen sollte wie man anständig recherchiert, jemand der selbst Depressionen hat und daher wissen sollte wie es ist, wenn man eine Krankheit hat die mit blöden Vorurteilen kommentiert wird.
 
Und so schrieb ich der Brigitte-Redaktion eine E-Mail und wurde tatsächlich angenommen. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich durfte meinen Artikel schreiben und Sie dürfen den jetzt lesen und kommentieren.
Und ich muss außerdem gestehen, ich hatte nicht mal im Entferntesten mit so einer Resonanz gerechnet. Der Artikel hat weit über 1200 Likes gesammelt, plus die fast 500 Likes auf Facebook direkt, er wurde fast 300mal geteilt in den letzten 24 Stunden.
Ich habe alle Kommentare gelesen und werde auch weiterhin darauf antworten. Ich habe sehr liebe private Nachrichten bekommen. Vielen Dank dafür!

Und noch was

Liebe Kommentatoren, die meinten „ADHS ist ja nur erfunden“, „Diese Kinder brauchen ja nur Liebe/Konsequenzen/Schläge/etc.“
Herzlichen Glückwunsch! Entweder sie können nicht lesen oder sie haben aus meinem Artikel rein gar nichts gelernt!
Manchmal frage ich mich, ob sich die Menschen heutzutage eigentlich noch Gedanken machen, was sie da alles von sich geben! Wie das bei anderem Menschen ankommt, ob das vielleicht den anderen verletzt.
Anscheinend nicht!

Kleiner Faktencheck

Natürlich kann ich auch so manche Kritiker verstehen und möchte mich zu der einen oder anderen Aussage hier noch einmal Allgemein äußern:
 
„ADS/ADHS gibt es gar nicht.“
Es gibt einige Krankheiten von denen immer wieder behauptet wird, es gäbe sie gar nicht oder sie seien eine Erfindung der Pharmaindustrie. Das ist nicht nur bei ADS oder ADHS so. Ich habe aber das Gefühl das ist den meisten, die diese Aussage tätigen, eigentlich relativ egal. Hauptsache was gesagt.
Fakt ist, dass ADS und ADHS anerkannte Krankheiten sind, die es nicht erst seit den 1960ern gibt. Ich bin kein Arzt und habe nicht Medizin studiert. Daher habe ich meinen Artikel auch ganz bewusst nicht unter einem medizinischen Aspekt verfasst. Sonden aus der Sicht einer (indirekt) Betroffenen.
Ich werde auch hier keine wissenschaftliche Abhandlung dazu schreiben. Aber wenn man schon Scheiße verzapft, sollte man sich vorher auch besser informieren. Meinungen die sich auf 2 Sekunden Google-Nutzung oder Hörensagen stützen, kann ich nicht ernst nehmen.
 
 
„ADHS hat doch der Mensch erfunden, der auch Ritalin erfunden hat“
Na der müsste aber ziemlich lange gelebt haben und ein richtiger Einstein gewesen sein! ADHS wurde schon im mittleren 19. Jahrhundert zum ersten Mal (damals noch ziemlich neutral) erwähnt bzw. beschrieben. Damals beschrieb man das Zappelphilipp-Syndrom in einem Buch dass wir alle kennen. Richtig los ging es dann mit ADS/ADHS aber erst im frühen 20. Jahrhundert.
Aber definitiv vor der Erfindung von Methylphenidat. Das wurde erst 1944 erfunden.
 
 
„Da fehlt zuhause die Struktur“
Eben nicht. Das mag bei manchen vielleicht der Fall sein. Aber es da wieder komplett auf die Eltern zu schieben, finde ich grundlegend falsch!
Im Falle meines Bruders traf das definitiv nicht zu. 
Die Struktur kann zuhause so straff sein wie sie will, wenn das Kind außerhalb des häuslichen Umfeldes auf Widerstand und Mobbing trifft, dann hilft die straffste, beste Struktur zuhause nichts!
 
Mein Bruder ist jetzt in einer Ausbildung zum Fachinformatiker bei einem sehr großen deutschen Unternehmen. Als er neulich unsere Mutter zuhause besuchte, traf er eine Verwandte, die in einem üblichen „Wie gehts dir, mir gehts gut“-Gespräch dann zu ihm meinte „Das ist schön dass es dir so gut geht. Ich hatte ja damit gerechnet dass du mal kriminell wirst“ – Dazu fällt einem nichts mehr ein.
Klar haben wir alle in unserer Jugend mal den einen oder anderen Streich gespielt, er auch. Das gehört dazu. Ohne wäre es ja auch langweilig! 
Aber nie etwas schlimmes oder etwas dass auch nur im entferntesten so einen Gedanken rechtfertigen würde. Es war nur die Tatsache „Er hat ADHS“ die das auslöste.
Wenn man mit solchen Vorurteilen und entsprechendem Verhalten schon als Kind konfrontiert wird, was macht das wohl mit einem?
 
 
„Ohrfeige hilft immer“
Ich bin es leid. Ich bin es wirklich leid, das man im Jahr 2014 immer noch so einen Mist empfiehlt! Seit vielen Jahren ist im deutschen Gesetz (1631 BGB Absatz 2) verankert, dass JEDES Kind ein Recht auf eine Gewaltfreie Erziehung hat. Und das bedeutet körperliche und seelische Gewalt sind verboten. Zuwiderhandlungen sind strafbar.
Ich kann mir nicht vorstellen dass jemand, der Schläge aus erzieherischen Gründen bekam sich danach gut gefühlt hat. Es ist erniedrigend, entwürdigen und einfach nur Scheiße! Daher: Nein!
 
 
„Man muss die Kinder nicht mit Medikamenten zustopfen“
Hier kann ich zustimmend nicken, sehr sogar.
Man kann das nicht oft genug betonen. Sicherlich haben Ärzte die all zu schnell mit dem Rezeptblock zugange waren zum schlechten Ruf von Medikamenten und ADS/ADHS beigetragen.
Es gibt viele Alternativen zu Medikamenten wie Ritalin, die man vorher versuchen sollte. Egal welche Krankheit man hat, man sollte nie einfach nur Tabletten schlucken!
Aber wenn es nicht anders geht, dann ist das eben so. Wie ich im Artikel schon schrieb – meine Mutter hat sich die Entscheidung mit dem Ritalin nicht leicht gemacht. Aber mein Bruder hatte schon sehr schlimmes ADHS zu der Zeit. Sie hat für ein anderes Medikament gekämpft und später auch darauf geachtet dass es sobald wie möglich wieder abgesetzt wird. Er ist schon seit über 10 Jahren Medikamentenfrei.
Niemand von denen die das so lapidar daher sagen oder schreiben, können solche Entscheidungen nachvollziehen und ich finde es über alle Maßen anmaßend, dass diese Menschen anderen Menschen vor den Kopf knallen, sie hätten die Entscheidung zur Medikation nicht überdacht oder wollten es sich „einfach machen“.
 
 
 
Ich werde den Artikel hier gegebenenfalls durch Nachträge erweitern, wenn ich Bedarf sehe 🙂

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