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Sehschwäche

Kinderchaos

Und dann war die Brille kaputt

Als ich gestern in den Kindergarten kam zum abholen, hat mein Sohn mich erst gar nicht bemerkt. Ist auch gar nicht schlimm. Wenn wir es nicht gerade eilig haben, was selten vorkommt, dann dränge ich ihn nicht, sondern setze mich einfach auf die Bank oder den großen Baumstamm und warte.

So auch gestern. Als er mich dann bemerkte, rief er “Oh, meine Mama ist da!”, kam auf mich zu und sagte “Mama, meine Brille ist kaputt!”

Ich hatte sofort mit dem allerschlimmsten gerechnet – Gläser kaputt – und fragte entsetzt “Wie, kaputt?!”

Er drückte mir dann seine mit Tesa geflickte Brille in die Hand und erzählte dass sein Freund den Bügel abgebrochen hat und einer der Erzieher es dann notdürftig geflickt hätte. Ich nahm die Brille dann auseinander um mir den Schaden genauer anzusehen. Das Gelenk war gebrochen. Ob man das einfach wieder reparieren konnte wusste ich nicht. Der Optiker war gefragt.

 

Zuvor wartete ich aber noch auf die Mutter der anderen Kindes. Auch wenn es mir unangenehm ist, er hat sie kaputt gemacht und darüber muss man reden. Blöde Situation. Ich sprach sie dann an und zeigte ihr die Brille und sie war ziemlich geschockt, entschuldigte sich mehrmals, auch im Namen ihres Sohnes. Ich solle mich melden wenn ich beim Optiker war, sie würde dass dann ihrer Haftpflichtversicherung melden und den Schaden bezahlen.

Ihr Sohn hatte wohl ziemliches Muffensausen. Der Butscher berichtete dass er ihn gebeten hat es mir erst zu hause zu sagen. Was er zum Glück nicht gemacht hat. Ich war auch nicht böse. Ich habe weder das eine oder das andere Kind geschimpft und auch nicht irgendwie böse angeraunzt. Wieso sollte ich auch? Es sind Kinder. Und auch der Mutter gegenüber war ich nicht böse. Klar ist das jetzt blöd gelaufen und für den Butscher bei seinen Sehwerten nicht gerade toll, aber es lässt sich alles regeln! Auch wenn ich zu dem Zeitpunkt noch absolut nicht wusste in welchem Rahmen sich das ganze bewegt, war ich recht entspannt. Hatte ich doch viel früher mit einer kaputten Brille gerechnet und vor allem damit, dass mein Sohn sie selbst zerlegt!

Allerdings hatte ich auch nicht damit gerechnet dass der Bügel hin ist. Ich hatte damit gerechnet dass die Gläser kaputt gehen oder das Gestell an sich bricht durch irgendwas. Das Gestell ist ein extra “Play”-Gestell mit überdehnbaren Bügeln, also man kann sie nach außen wegbiegen ohne das was passiert. Da muss man schon mit Schmackes ran und das kaputt zu machen. Daher war und bin ich wirklich neugierig wie es passiert ist. Leider haben wir das aus beiden Kindern nicht so recht raus bekommen.

Da ich Nachmittags einen Arzttermin hatte und dort ein Apollo in der Nähe ist, bin ich nach dem Termin direkt dort hin und zeigte die Brille. Ich muss dazu sagen, dass wir die Brille versichert haben. Bei 140 EUR wert kostet dies einmalig 20 EUR. Und wenn man die Versicherung nicht nutzt, bekommt man nach zwei Jahren einen Gutschein über diesen Wert. Also praktisch kein Geld verloren.

Die Optikerin sah sich den Schaden an und meinte zum reparieren müsste sie das Gestell einsenden. Dann hätte der Butscher ca. 14 Tage keine Brille. Absolute Katastrophe. Da er abklebt braucht er seine Brille. Denn ohne Brille ist das abkleben sinnlos. Sie wollte dann noch schauen ob sie das Gestell eventuell da hat und dann einfach das komplette Gestell tauschen kann. Sie kam dann wieder und meinte wir hätten Glück. Sie hätte das selbe Gestell da und es wäre rabattiert, wir müssten dann nur 35 EUR für das neue Gestell bezahlen und die Versicherung gar nicht nutzen. Da bei der Versicherung eine Eigenbeteiligung fällig ist, lohnt sich das bei solch geringen Beträgen nicht.

Der Schock kam dann 5 Minuten später, als sie Probleme hatte die Rechnung zu drucken. Sie besprach sich mit einer Kollegin und kam dann zu uns “Entschuldigen Sie, ich habe ihnen leider etwas falsches erzählt. Das Gestell ist nicht rabattiert. Es würde dann 70 EUR kosten.”

Uff. 70 EUR. Gleich mal das doppelte. Genau das was wir damals bezahlt haben für das Gestell. Viel Geld. Die Optikerin verstand mich und bot direkt an dass es dann doch sinnvoller wäre über die Versicherung eine komplett neue Brille zu bestellen und sie würde dann für die Übergangszeit das Gelenk mit einem Spezialkleber kleben. Es würde instabil sein, weil die Feder fehlt und er dürfte damit nicht so wild toben. Aber er könnte sie tragen. Sie rechnete das ganze mit der Versicherung durch.

Ergebnis: 30,09 EUR für eine neue Brille plus 20 EUR damit die neue Brille wieder versichert ist. Ich fragte dann noch, was es gekostet hätte die Brille einzusenden zum reparieren: 30-35 EUR. Also albern, wenn wir über die Versicherung fürs selbe Geld eine neue Brille bekommen.

Die Brille wurde bestellt. Die alte geklebt. Sie meinte dann es wackelt zwar ziemlich, aber es geht und sollte halten bis die neue fertig ist. Sie habe auf dem Auftrag vermerkt dass wir sofort angerufen werden wenn sie fertig ist.

Zuhause habe ich dann natürlich die andere Mama angerufen, ihr die Neuigkeiten mitgeteilt und auch ausführlich erklärt warum wir uns wie entschieden haben. Sie hat sich noch einmal überschwänglich entschuldigt und gemeint dass sie sich schon Gedanken gemacht hat weil sie ja weiß dass der Butscher seine Brille nicht zum Spaß hat. Das war mir fast unangenehm. Klar haben wir jetzt den Aufwand mit der Brille. Aber es hätte auch anders kommen können. Die Kinder sind beide noch heil. Der Butscher hat zwar gesagt, er hat sich an dem Metallgelenk gepiekt, aber zum Glück nicht schlimm und man sieht auch nichts mehr. Wenn sich ein riesiger Kratzer übers ganze Gesicht gezogen hätte oder einer von beiden den Bügel im Auge gehabt hätte.. man weiß ja nie. Kann alles vorkommen! Von daher: Es ist ja “nur” die Brille.

Und zum Glück hatten wir die Versicherung. Denn ohne hätten wir die komplett selbst zahlen müssen, was heißt ich hätte der Frau eine dreistellige Rechnung geben müssen :-/ Oder wir hätten erst zum Augenarzt eiern müssen für ein neues Rezept. Und selbst mit Rezept wäre die Summe noch dreistellig geworden. Denn die Krankenkasse zahlt auch bei Kindern so gut wie nichts. Es ist absolut lächerlich. Mich ärgert das wirklich sehr. Es ist ja nicht so dass er nur ein bisschen schlecht sieht und auch ohne Brille sein könnte.

Auch dass wir bei Apollo gelandet sind, war rückblickend die richtige Entscheidung. Die erste Brille war von Fielmann und dort fand ich mich nicht gerade gut beraten. Vor allem hat man dort, zumindest in den Bremer Filialen, immer das Gefühl zu stören und nicht willkommen zu sein. Bei Apollo hat man uns sowohl beim Kauf als auch jetzt mit dem kaputten Gestell ausführlich beraten und ich denke wir haben den besten Weg gefunden.

Kinderchaos

Augenpflaster-Update

Es gibt ein Augenpflaster Update. Zunächst muss ich aber mal berichten was mir so für Vorurteile entgegen schlagen seit der Butscher Pflaster trägt.

Die Vorurteile kommen nicht von Kindern. Das mal vorweg. Bei den Kindern gibt es so was nicht. Da ist solch eine Veränderung vielleicht 1-2 Stunden ein Thema. Weil ist ja was besonderes. Aber nur aus Neugier, nicht weil sie etwas doof finden oder sich lustig machen. Das wird einfach hingenommen. Gelegentlich werden besonders coole Motive kommentiert. Das war es dann aber.

Ganz im Gegensatz zu den Erwachsenen.

  • “Schielt er oder wieso macht ihr das?” – Augenpflaster bzw. “Okklusionstherapie” wird in erster Linie eingesetzt bei “funktionell bedingter Sehschwäche” (Amblyopie). Zur genauen Erklärung: Ein Auge sieht schlechter als das andere. Der Kopf blendet dieses aus, da das schlechtere Auge für ihn hinderlich ist. Ende vom Lied: Räumliches Sehen schwindet, Auge wird noch schlechter. Dem wird mit Augenpflaster entgegen gewirkt! Das gute Auge wird behindert damit der Kopf gezwungen ist mit dem schlechten Auge zu sehen. Beim schielen muss man erst mal untersuchen woher das kommt! Oft (Oft! Nicht “immer”!) ist dies nicht mit Augenpflastern zu therapieren. Ich habe z.B. als Kind auch leicht geschielt. Das kam von eienr Muskelschwäche. Ich musste dann in der Sehschule die Augen trainieren.

 

  • “Fängt er dadurch nicht an zu schielen?” – Nein!

 

  •  “Das schadet doch mehr als dass es hilft” – Also ich weiß echt nicht woher die Leute das haben, die so etwas sagen. Aber wenn man das wie verordnet durchzieht und den Kindern auch anständig und kindgerecht erklärt wieso das sein muss, dann hilft es sehr wohl! Und zwar merklich! Die Frage sollte viel eher sein: Was ist die mögliche Konsequenz daraus wenn man keine Therapie macht?

 

  • “wird er nicht gehänselt?” – Nö. Die einzigen die das zum Thema machen seid ihr!

 

Das waren die Aussagen die mir eingefallen sind und die gehäuft vorkamen.

Mittlerweile waren wir wieder beim Augenarzt und waren wirklich erstaunt. Er klebt nur für 3 Stunden jeden Tag ab, mir kommt das reichlich wenig vor. Aber es ist schon viel besser geworden. Ich habe mir das absolut nicht vorstellen können. Aber man hat es direkt beim Sehtest gemerkt. Noch bevor die Ärztin etwas gesagt hat, wusste ich dass das Kleben ein voller Erfolg ist.

Wo er vorher schon arg kämpfen musste und mehr geraten hat als erkannt, hatte er dieses mal die ganze Reihe und die kleinere danach sehr souverän gemeistert. Erst danach kam er wieder ins straucheln und musste dann zugeben dass er es nicht mehr erkennt.

Wir bekamen ein Rezept für neue Augenpflaster und bleiben bei den 3 Stunden jeden Tag. Im August, kurz vor der Einschulung ist der nächste Termin.

Kinderchaos

Augenarztupdate – Wir kleben jetzt!

Augenpflaster

Wie die treuen Leser wissen, trägt der Butscher seit über einem Jahr eine Brille – Im Februar war unser halbjährlicher Augenarzttermin und die Ärztin hat festgestellt dass die Brille nun endlich richtig ist. Beim letzten Termin wurden die Werte noch mal korrigiert, da stimmte der Brechungswinkel noch nicht.

Für die, die sich damit nicht auskennen: Bei einer Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) stimmt der Brechwinkel, in dem das Bild auf die Netzhaus projiziert wird nicht, dieser Winkel wird korrigiert. Stimmt dieser Wert auch bei der Brille nicht, kann man bestimmte Dinge trotz Brille nicht richtig sehen.

Ich muss ja sagen, dass ich mich da beim Arzt immer ein bisschen fühle wie beim Tennis 😂 Der Butscher sitzt auf dem Untersuchungsstuhl, bekommt von der Ärztin einen Kreis in die Hand der eine Öffnung hat. Dann stellt sie sich an die Wand gegenüber und fängt den Sehtest an. Die Kreise haben die Öffnungen dann Oben, Unten, Rechts oder Links. Und der Butscher muss dann den Kreis den er in der Hand hat so drehen wie die vorne an der Wand, auf die die Ärztin gerade zeigt. Und ich sitze dann seitlich und gucke erst links zur Ätzin was sie zeigt und dann rechts zum Butscher ob er es richtig sieht und den Kreis entsprechend dreht. Und so geht das imemr hin und her. Und ich fühle mich reichlich albern dabei immer hin und her zu gucken, aber ich kann nicht anders 🙈

Dieses Mal hat er es sehr gut gemacht. Die Ärztin hat jetzt aber beschlossen dass wir kleben müssen. Sie hatte mir letztes Jahr schon gesagt dass wir das wahrscheinlich machen, da das rechte Auge viel stärker beeinträchtigt ist als das Linke. Durch das stundenweise abkleben des “guten” Auges, soll das “schlechte” besser sehen lernen. Sich quasi anstrengen besser zu werden. 3 Stunden täglich sollen wir abkleben.

Sie erklärte ihm das persönlich und gab ihm zwei Blätter zur Auswahl. Das waren wohl zwei verschiedene Firmen die Augenpflaster für Kinder anbieten. Er sollte sich aussuchen von welchem Hersteller ihm die Motive besser gefallen. Er entschied sich für Piratoplast. So verließen wir die Praxis mit einem Rezept für 100 Augenpflaster, dem Blatt für eine Piratoplastbestellung in der Apotheke und einem Kontrolltermin für Anfang Mai.

Die Augenpflaster bestellten wir dann auch direkt in der nächsten Apotheke. Entgegen meiner Angst dass er sich weigern könnte, war er mit Eifer dabei sich Motive auszusuchen. Ich habe da mal wieder mehr Bedenken im Kopf gehabt als das Kind. Wir Erwachsenen sollten uns echt mehr Beispiele an unseren Kindern nehmen!

Die Augenpflaster konnten dann zwei Tage später schon abgeholt werden und das kleben begann.

Augenpflaster2

Zuerst nur zuhause, damit er sich dran gewöhnt. Die Ärztin hatte mir erklärt dass es vorkommen kann dass er Gläser umwirft oder ähnliches. Und wir sollten aufpassen und ihn nicht alleine lassen. Immerhin fehlt ihm durch das Pflaster das räumliche Sehen. So hatte ich die ersten Tage ziemliche Angst wenn er Treppen lief oder ähnliches. Aber er machte das echt gut und es gab keine Unfälle.

Wir fingen dann an ihm das Pflaster morgens vor dem Weg zur KiTa zu kleben. Damit er nicht mittags zuhause nur das Pflaster hat, sondern dann eben quasi schon damit durch ist wenn er heim kommt. Da er Donnerstags Schwimmunterricht hat, wird das sonst auch ziemlich knapp mit den drei Stunden, denn im Wasser hält das Pflaster nicht. Die Erzieher haben damit auch schon Erfahrung, da ein Mädchen im Kindergarten ebenfalls ein Augenpflaster hat.

Wie mir unser Erzieher letzte Woche sagte, sind es nicht immer exakt drei Stunden. Meistens wird es später. Bedingt durch 22 Kinder die rumwuseln guckt man halt nicht imemr auf die Uhr und der Butscher denkt da auch nicht minütlich dran. Ich habe dann abgewunken. Das ist nicht schlimm. Wenn der Butscher damit kein Problem hat, hab ich auch keins. Und ich glaube die Augenärztin wird damit erst Recht keine Probleme haben. Lieber etwas länger als zu kurz oder gar nicht.

Die anderen Kinder haben das Augenpflaster auch gut aufgenommen. Auch da hatte ich bedenken. Und wieder haben mir die Kinder gezeigt, dass diese Bedenken eher erwachsener Natur sind und sie selber da überhaupt keine Probleme haben. Es gab die eine oder andere Frage “Wieso hast du denn jetzt auch ein Pflaster am Auge?” – aber nach der Erklärung war die Aufregung dann auch vorbei.

Ich bin gespannt wie sich das Auge bis Mai macht. Ich werde dann entsprechend berichten.

Kinderchaos

Wie die Brille in unseren Alltag einzog

Nun, da wir uns alle daran gewöhnt haben, möchte ich mal darüber bloggen wie das Kind zu seiner Brille kam.

Im März 2015 waren wir bei unserem Kinderarzt zur U8. Die Untersuchung lief top.. bis auf den Sehtest. Den bestand er nicht. Schon bei der 3. Reihe war Schluss und ich dachte erst, mein Sohn hätte keine Lust. Dass er wirklich schlecht sehen konnte, darüber machte ich mir gar keine Gedanken. In unserer Familie gibt es keine Menschen mit angeborenen Sehschwächen. Klar, die Omas, Opas und so weiter haben Brille bedingt durch Alterssehschwächen. Aber KEINER hatte als Kind schon eine Brille. Bis auf zwei Kinder meines Onkels, das kommt aber von mütterlicher Seite (eingeheiratet), die Mutter trägt auch Brille.

Ich musste als Schülerin mal in die Sehschule. Aber nur weil ich ab einem bestimmten Punkt doppelt sah, meine Augenmuskulatur war rechts zu schwach und musste trainiert werden. Dafür musste ich mehrere Nachmittage zum Training in die Praxis kommen, danach war alles gut.

Wieso sollte also mein Sohn plötzlich schlecht sehen können? Der Arzt gab mir eine Überweisung zum Augenarzt mit, ich machte gleich am nächsten Tag einen Termin bei einem Augenarzt mit Sehschule aus.

Aber ich fragte auch mal im Kindergarten nach ob die Erzieher denn den Eindruck hätten dass der Butscher schlecht sieht. Die waren sehr erstaunt und meinten da: “Der Butscher? Schlecht sehen? Neeeeiin! Der doch nicht! Der erkennt doch alles, selbst die kleinsten Äste” – Tja.. wie man sich täuschen kann :-/

Augenarzttermin Nr. 1

Der Augenarzt-Termin war im Mai und wir waren beide (Mama und Papa) mit beim Augenarzt. Der Sohn war ganz entspannt. Bis er sich auf den Stuhl setzen sollte zum Sehtest. Obwohl die Ärztin ihm gegenüber freundlich war und ich ihn auf den Schoß nehmen durfte, verweigerte er jegliche Mitarbeit, hielt sich beide Augen zu und war nicht zum mitmachen zu überreden. Termin gescheitert.

Die Ärztin meinte dann, sie würde eh empfehlen die Augen weit tropfen zu lassen damit man es 100%ig ausmessen kann. Das würde man in der Augenklinik machen. Wir verließen dann auch diese Praxis mit einer Überweisung. Diesmal für die Augenklinik.

Als ich am selben Tag noch in der Augenklinik anrief, sagte man mir einen Termin für den 4. Dezember. Ich war kurz geschockt: “Sagten Sie gerade DEZEMBER?” – Ja sie sagte Dezember. Vorher wäre absolut nichts frei. Ich war wütend! Wenn es um mich gegangen wäre.. wäre es mir egal gewesen. Aber dass man Kinder so lange warten lässt finde ich einfach unmöglich. Ich wollte die Sache schnellstmöglich aus der Welt schaffen. Aber vor allem: Wenn er wirklich eine Sehschwäche haben sollte, müsste das so schnell wie möglich korrigiert werden! Er ist immerhin noch ein Kind. Aber ich konnte nichts tun, außer den Termin eben zu akzeptieren.

Dezember 2015 – Besuch in der Augenklinik

Am 4. Dezember saßen wir morgens um 8 Uhr im Wartezimmer der  Augenklinik und ich rechnete mit dem schlimmsten. Vor allem da ein älteres Mädchen im Wartezimmer Augentropfen bekam und schrie wie am Spieß. Der Sohn sah dies mit entsetzen und ich dachte nur “Scheiße.. das geht nicht gut. Der geht mir gleich die Wände hoch vor Angst!”

Wir wurden kurz darauf aufgerufen. Die Ärztin sprach sehr gelassen und freundlich mit dem Sohn, zeigte ihm verschiedene Geräte, machte einen spielerischen Sehtest mit ihm und erklärte ihm dann was als nächstes passieren würde. Das Augenweittropfen. Sie sagte mir dass es brennen könnte, für viele Kinder sei das sehr unangenehm. Ich sollte ihn auf den Schoß nehmen und trösten. Aber er machte das gaze sehr souverän und vor allem ohne Geschrei. Ich war wirklich stolz auf den jungen Mann. Mit seinen damals 4 Jahren war er tapferer als das Mädchen was mindestens doppelt so alt war!

Nach einer längeren Wartezeit bis die Tropfen ihre Wirkung voll entfaltet hatten, wurden dann die Augen gemessen und das Ergebnis war für mich wirklich schockierend. Hirnhautverkrümmung auf beiden Augen. Rechts -3,50 Zylindrisch und zusätzlich noch +0,5 Sphärisch – Links -1,50 Zylindrisch.

(Kurse Erklärung für Brillenunkundige: “Sphärisch” ist die normale Kurz-/Weitsichtigkeit durch verlängerten oder verkürzten Augapfel. Zylindrisch ist die Verkrümmung der Hornhaut die den Lichtstrahl dann nicht mehr sauber bricht sondern zerstreut)

Ich war kurz vorm heulen. Die Werte sind ja nicht gerade wenig, ich überlegte wie viel das arme Kind denn wirklich sehen konnte, ob er bisher im Kino, zuhause am Fernseher oder draußen überhaupt was erkannt hat. Man macht mir auch keine Hoffnung dass sich das “auswächst”. Er würde wohl immer eine Brille brauchen.

Wir bekamen eine “Brillenempfehlung” mit den Sehwerten, diese sollten wir beim Augenarzt dann zu einem Rezept umwurschteln lassen.

Zuhause saß ich Abends heulend auf dem Sofa und machte mir große Vorwürfe. Ich fühlte mich wie die schlechteste Mutter auf der Welt. Hatte ich irgendetwas falsch gemacht? Mich in der Schwangerschaft falsch verhalten, dem Kind irgendwas gegeben oder eben nicht gegeben und damit die Fehlsichtigkeit verursacht? Heute weiß ich dass das ziemlich absurd ist. Ich kan nichts dafür. Niemand kann etwas dafür. Es ist wohl eine Laune der Natur oder ein durchschlagendes Gen von dem keiner etwas wusste.. wer weiß das schon so genau. Aber es sind halt die Gedanken einer Mutter.

Die erste Brille

Herr Nord fuhr gleich in der darauf folgenden Woche (der 4. Dezember war ein Freitag) zur Augenärztin und gab den Zettel ab. Die wollte aber unbedingt auf den Arztbericht warten und erst dann das Rezept ausstellen. Also warteten wir. Und wir warteten lange. Denn der Bericht kam vor Weihnachten nicht mehr und dann war ja Praxisurlaub.

In der Zwischenzeit informierten wir uns über verschiedene Optikerangebote und machten uns bei der Krankenkasse schlau. Es ist wirklich eine Schande dass nicht mal mehr anständige Kinderbrillen komplett von der Kasse bezahlt werden. Aber unsere Kasse hatte eine Kooperation mit Fielmann, es gab einen “Erstbrillengutschein” mit dem dann zusätzlich Entspiegelung, Hartschichtversiegelung, Bonus aufs Gestell etc.

Als wir dann endlich das Rezept hatten, gingen wir im Januar zu Fielmann und suchten dort eine Brille aus. Der Sohn suchte sich ein hübsches, dezentes Metallgestell in Metallicblau aus und ich muss sagen dass ich sie wirklich klasse fand. Die stand ihm sehr gut.

Das Ärgerliche an der ganzen Sache war nur, dass wir ausgerechnet die Kinderbrille nicht versichern konnten. Weil wir den Erstbrillengutschein hatten. Kinderbrille ohen Versicherung.. war rückblickend die dümmste Idee überhaupt! Aber dazu später mehr.

Am 23. Januar konnten wir die Brille abholen. Ich machte mir mal wieder Sorgen. Diesmal darum wie der Butscher die Brille wohl akzeptieren würde. Ob wir viele Diskussionen hätten, ob er sich weigern würde, ob die Kinder im Kindergarten ihn hänseln würden…
Wir holten die Brille extra am Wochenende ab, damit er sich zwei Tage zuhause daran gewöhnen konnte, ohne noch den Trubel des Kindergartens dabei zu haben. Zudem hatte man uns auch dazu geraten, weil die Veränderung durch die hohen Werte doch extrem seien und der Butscher damit Probleme haben könnte. Kopfschmerzen und Schwindel zum Beispiel.

Das erste Wochenende mit der Brille verlief erstaunlich gut. Er setze die Brille auf ohne zu maulen. Er bat zwischendurch um kleine Pausen, da die Brille drückte und das Gefühl auf der Nase noch sehr ungewohnt war. Diese gewährten wir ihm natürlich auch, erinnerten ihn aber nach einer gewissen Zeit auch an das erneute Aufsetzen der Brille. Ich vermute dass er selber merkte wie gut er mit der Brille sehen konnte und sie daher so schnell akzeptiert hat.

Im Kindergarten verlief der erste Tag erstaunlich gut. Die Kinder akzeptierten ihn vorbehaltlos mit der Brille. Damit hätte ich nicht gerechnet. Vor allem da es bisher bis auf ein Mädchen keinerlei Billenträger-Kinder in der Gruppe gab – es also schon etwas besonderes war. Im Morgenkreis wurde wohl gefragt warum der Butscher denn jetzt eine Brille habe.. er erklärte dann, wie mir die Erzieher später erzählten, direkt dass er schlecht sehen würde und er die Brille jetzt habe, damit er besser sehen kann.

Der Alltag mit Brille

Der Alltag mit der Brille verläuft seitdem ziemlich reibungslos. Morgens reinige ich die Brille unter fließendem Wasser mit ein wenig Spülmittel, dass ich vorher mit Daumen und Zeigefinger aufschäume, und trockne die Brille dann mit einem Brillentuch. Der Sohn vergisst seine Brille ab und zu mal, und es kam schon vor dass er ohne Brille in den Kindergarten ging. Meine Schwangerschaftsdemenz trägt da auch seinen Teil dazu bei. Er ist damit aber auch schon im Bett eingeschlafen, weil er sie vergessen hat abzusetzen.

Die Brille musste leider nach gerade mal 4 Wochen in die Werkstatt. Der Butscher hatte einen fetten Kratzer quer über dem rechten Glas. Das Glas musste dann ersetzt werden un ich musste draufzahlen, da die Kasse nicht den Schnickschnack wie Entspiegelung bezahlt. Der Butscher hatte dadurch zwei Tage lang keine Brille. Auch die Nasenpads stimmten mich nicht froh, wir mussten circa alle 4 Wochen zu Fielmann, und da wir hier keinen haben, extra in die Stadt fahren um die Pads tauschen lassen. Eine Sache von 30 Sekunden, aber mindestens 20 Minuten Fahrtzeit plus rumgeeiere im Einkaufszentrum pro Strecke. Sehr ärgerlich! Als Kind hat er weiche Silikonpads für das Kindernäschen. Durch das ständige Tragen gingen die schnell kaputt und das nackte, scharfkantige Plastik hat ihm beim ersten Mal die Nase richtig blutig gerieben. Das war natürlich sehr schmerzhaft.

Und ich hatte dadurch die Erkenntnis dass der Butscher unbedingt eine Ersatzbrille braucht, für den Fall der Fälle. Beim nächsten Augenarzttermin wurden die Werte korrigiert weil er beim Sehtest mit Brille trotzdem noch Defizite hatte, und die Ärztin vermutete dass die Achse für die Krümmung nicht stimmt, da er nur bestimmte Sachen nicht erkennen konnte. Also wurde noch mal weit getropft und wir bekamen ein Rezept mit veränderten Werten. Aber nicht nur die Achsen erhielten neue Werte. Auch die Werte für die Krümmung haben sich noch mal erhöht auf rechts -3,75 und links auf -2,0.

Da ich mit Fielmann nicht zufrieden war, gingen wir diesmal zu Apollo, wo ich im letzten Jahr auch eine Brille bekam, denn ich habe inzwischen eine normale (leichte) Alterssehschwäche. Ich kann zwar noch gut lesen, aber weiter entfernte Sachen wie Straßenschilder in bestimmter Entfernung entziffern geht nicht mehr 😀 Man wird halt alt. Ich habe die Brille nicht ständig auf. Fürs Kino oder so, ist sie aber sehr nützlich. Ich sehe zwar auch ohne Brille gut, aber mit Brille ist das dann halt High Definition 😂

Der Sohn fand bei Apollo auf Anhieb eine tolle Brille. Diesmal ein Kunststoffgestell in Rot und Blau. Ohne Nasenpads. Damit waren wir alle sehr einverstanden! Und diesmal auch mit Brillenversicherung, aber ohne Entspiegelung. Aber wieder mit spezieller Härtung die Kratzer minimiert. Bei Kinder ist das echt ein Muss! Vor allem bei welchen die jeden Tag draußen spielen und im Kindergarten toben!

Die Brille gehört jetzt zu unserem und vor allem zu Butschers Alltag dazu. Es ist okay so. Ich bin gespannt ob er sich die Augen irgendwann operieren lässt. Verstehen könnte ich es gut, bei den Werten. Aber das hat noch lange, lange Zeit und bis dahin werden wir sicher noch einige Brillen aussuchen, tragen und reinigen.