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Liebe Mamas, ihr müsst nicht stillen!

Offenbar haben Mütter ja noch nicht genug Druck was das Stillen anbelangt, deshalb gibt es jetzt zur Internationalen Weltstillwoche Anfang August auch noch eine deutsche Weltstillwoche, die gestern endete.

Und mir geht das so auf den Zeiger. Ich bin froh das ich aus der Phase raus bin und auch nie mehr da sein werde – denn das Thema Kinderkriegen ist für mich abgeschlossen. Aber andere frisch gebackene und werdende Mütter, die leiden darunter extrem und ich frage mich: Muss das wirklich sein?

Klar ist stillen gesund, darauf kann man ja auch hinweisen in Gesprächen, Büchern und weiß der Geier wo noch. Aber kann man das nicht so tun, das man sich als frisch gebackene Mutter nicht unter Druck gesetzt fühlt von der Stillmafia? Das man es nicht vorgeworfen bekommt, wenn man das Fläschchen gibt oder sich rechtfertigen muss wieso man nicht stillt?

Liebe Mamas: IHR MÜSST NICHT STILLEN!!!

Ich will das hier jetzt mal in aller Deutlichkeit sagen und hoffe ich kann der einen oder anderen Mama ihre Tränen und ihre Versagensgefühle nehmen: IHR MÜSST NICHT STILLEN!

Es ist scheißegal wie ihr euer Baby füttert. Ob ihr stillt, ob ihr abpumpt, die Muttermilchbank in Anspruch nehmt, Milchpulver nutzt und Fläschchen gebt oder ob eurer Kind vielleicht eine Magensonde hat. Hauptsache ist ihr und eure Babys seid glücklich damit, es geht euch BEIDEN gut.

Man muss nicht stillen um Nähe, Intimität und Bindung zum Kind herzustellen. Das geht auch mit dem Fläschchen. Das geht auch mit Kuscheln, streicheln, singen, anwesend sein.

Ich habe ganz fürchterliche erste Wochen mit meinem Sohn gehabt. Ich war auch voll auf dem „Ich stille voll und das für mindestens 6 Monate, was anderes kommt gar nicht in Frage“-Trip. Ich hab mich nicht anderweitig informiert, hatte keinen Backup-Plan. Für mich gabs nur diesen einen Weg, der war fest zementiert.

Und dann kam alles anders.

Mein Sohn kam zur Welt und das Stillen klappte gar nicht. Auch nicht mit der sehr geduldigen Hilfe der Stationsschwestern. Nachdem wir beide total fertig waren, brachte mir die Nachtschwester ein Fläschchen zum zufüttern. (Die Stillmafia schreit jetzt im Hintergrund schon „DAS WAR SCHON DER ERSTE FEHLER!!!1!11“) Ich war noch nie so erleichtert wie in diesem Moment. Ich hatte gar nicht gemerkt wie sehr mich die Situation stresst. Erst als der Stress abfiel wurde mir das bewusst.

Aber ich wollte nicht aufgeben. Ich wollte unbedingt stillen. Aber es wollte und wollte nicht klappen. Ich saß Nächtelang im Wohnzimmer und heulte, fühlte mich als Versagerin. Bis ich es aufgab. Bis ich mir sagte „Dann halt nicht, dann gibts jetzt Fläschchen und ich stille soweit es eben geht“. Ich schickte meinen Mann Milchpulver kaufen, bestellte Flaschen bei Amazon.

Zwei Monate konnte ich dann Teilstillen und es war okay. Also für mich. Rückblickend wäre es schön gewesen, jemand hätte mir viel früher gesagt das es okay ist nicht zu stillen. Das mich das nicht zu einer Versagerin macht. Das ist auch eine gute Mutter bin und mein Baby liebe und alles für es tue, wenn ich nicht stille. Denn so habe ich mich gefühlt. Ich hab mir die ersten Wochen mit meinem Kind echt vermiest. Ich blicke auf diese Zeit nicht gerne zurück. Dabei sollte das doch eine schöne Zeit sein, eine entspannte. In der man sein Baby kennen lernt und sich einspielt als Familie, viel kuschelt und das Wochenbett genießt, in der man noch umsorgt wird und Besuch von der Hebamme bekommt. Stattdessen hatte ich ohne Ende Stress und Druck. Den ich mir größtenteils selbst gemacht habe, der aber auch von außen kam. Weil nicht stillen nicht okay ist.

Für andere war es nämlich absolut nicht okay das ich aufgegeben habe. Kommentare die ich mir anhören durfte waren unter anderem: „Wieso stillst du nicht?“, „Wieso bekommt er die Flasche, wieso gibst du ihm nicht die Brust?“, „Du hast es nur nicht lange genug versucht“, „Du musst durchhalten“, „Du hast alles falsch gemacht“, „Stillen ist halt nix für Schwache“, „Du hattest halt die falsche Hebamme“, „Wieso hast du nicht X oder Y ausprobiert? Dann hätte es sicher geklappt!“, „Hast du denn eine Stillberaterin kontaktiert?“

Man muss nämlich die Zähne zusammenbeißen und durchhalten, egal wie sehr es schmerzt, wie sehr man leidet. Anstrengen, durchhalten, die aufopfernde Milchkuh sein. Alles andere ist inakzeptabel und führt zu o.g. Kommentaren, Fragen oder Vorwürfen.

Wisst ihr was? Schiebt euch eure blöden Kommentare dahin wo die Sonne niemals scheint! Haltet doch bitte einfach die Klappe. Es ist doch scheißegal wie eine Mutter ihr Kind ernährt und vor allem warum sie das so tut?!

Vielleicht hat(te) die Mutter eine Krankheit und kann/darf gar nicht stillen? Vielleicht hat sie wie ich tagelang geheult und hat sich fürchterlich unter Druck gesetzt und einen langen Kampf hinter sich? Vielleicht hat sie das aus irgendwelchen Gründen, die uns alle einen Scheißdreck angehen so entschieden. So what? Wieso muss man vor euch seine Beweggründe oder sein Seelenleben ausbreiten? Wieso muss man sich rechtfertigen? Wen interessiert das und vor allem: WIESO?

Beim zweiten kommt das dicke Fell

Beim zweiten Kind hab ich es anders gemacht. Ich hab bei dem Thema auf Durchzug gestellt, Fragen wie „Und, willst du stillen?“ hab ich komplett ignoriert. Ich hab von Anfang an ein Fläschchenset da gehabt, Milchpumpe, Milchpulver etc. pp. Und ich hab über 2 Monate voll gestillt. Dann hat mein Körper entschieden das die Milchproduktion nicht so sein Ding ist.

Dann gabs halt Fläschchen. Und das war total okay für uns alle. Ich konnte Kommentare und Fragen dazu ignorieren, wusste wie ich das zu nehmen habe. Aber gleichzeitig kamen halt auch Flashbacks zu K1 und zur damaligen Situation und das hat mich wieder etwas traurig gemacht, denn das hätte ich damals gerne auch so gemacht. Mir ging damals etwas verloren und das kann man nie mehr nachholen, nie mehr ändern.

Daher: Liebe Mamas, ihr seid gut, so wie ihr seid. Ihr seid stark und toll und wundervoll! Ihr müsst nicht stillen um euer Kind zu lieben und zu ernähren. Es ist okay eurem Kind das Fläschchen zu geben. Ihr liebt euer Kind dadurch nicht weniger und ihr seid keine VersagerInnen! Ihr müsst euch vor niemandem rechtfertigen, ihr müsst keine doofen Fragen beantworten oder Gründe nennen wieso ihr etwas macht oder nicht macht. Nicht nur aufs Stillen bezogen.  Liebt eure Kinder, tut das was euch gut tut, denn es bringt gar nichts sich selbst unter Druck zu setzen! Genießt die Babyzeit, sie geht viel zu schnell vorbei.

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