Allgemein

Wenn alles zu viel wird – Gedanken zum Entstressen & Entschleunigen

Ich glaube als Frau neigt man noch eher als andere dazu, sich zu übernehmen. Es passiert schleichend. Dies und das und das mach ich halt auch noch. Man wächst mit seinen Aufgaben. Ein wahres, aber zugleich gefährliches Sprichwort.

Denn wenn man Pech hat, sind die Aufgaben auf Dauer viel zu viel, es gibt irgendwann den großen gesundheitlichen Knall. So ist es meiner Mutter passiert: Schlaganfall. Eigentlich sogar zwei. Beim zweiten hatte sie richtiges Glück, denn da saß sie in der Tagesklinik, direkt neben dem Krankenhaus. Wer weiß, wie schlimm es geendet hätte, wäre sie zuhause gewesen. Denn beim Schlaganfall zählt jede Sekunde.

Ich habe mir geschworen, dass ich es nie so weit kommen lasse. Aber das ist leichter gesagt als getan. Schleichend ist es doch immer mehr geworden. Zwei Kinder, ein Hund, hundert Dinge für den Ehemann, Haushalt, Alltag, Termine koordinieren, Einkaufen, der Blog, die Schule und noch 1000 kleine Dinge die man so im Kopf organisiert (Stichwort: Mental Load). Die Klassenkasse für K1, Beisitzer für die Zeugniskonferenz, Verkaufshilfe bei den Schulfesten – alles so Kleinigkeiten die aber Zeit weg nehmen die man woanders auch bräuchte. Zudem steckt K2 im Moment sehr tief im Terrible Two. Es ist wirklich anstrengend. Vor allem mit einem K1 der das teilweise noch befeuert.

Stress führt zu Unfällen

Das alles hat vor kurzem dazu geführt, dass ich mir innerhalb einer Woche zwei Mal mit der Schneidemaschine in die Finger geschnitten habe. Das erste mal war es wirklich nicht schlimm und konnte zuhause versorgt werden. Das zweite Mal traf es dann meinen rechten Daumen und das so massiv, dass mir das Blut am Arm runter lief und ich zum Arzt musste.

Aber erst verbanden wir das ganze notdürftig, ich brachte K1 in die Schule und lief dann mit Hund und Kind im Schlepptau mal kurz zum Hausarzt. Den Alltag kann man halt auch nicht komplett weg schieben *grmpf* Der macht zum Glück solche Wundversorgungen. Mittlerweile ist der Daumen ganz gut verheilt. Man sieht es noch und mir fehlt das Gefühl an der Daumenkuppe. Aber es war der endgültige Schlag vor den Kopf den ich wohl gebraucht habe. Ich habe inne gehalten und mich gefragt was denn eigentlich gerade mit mir los ist. Wie man so dumm sein kann, sich zwei Mal in so kurzer Zeit auf die selbe Weise verletzen kann. Und dann fiel mir auf dass ich seit Wochen schlecht bis gar nicht mehr schlafen kann, öfter massives Herzklopfen habe und mein letzter Zyklus massiv verlängert war. Alles Anzeichen von Stress. Zu viel Stress. Schlechter Stress. Ich muss was ändern!

Just zur Verletzung gesellten sich dann die Eltern aus der Klasse die mir Stress wegen der Klassenkasse machten. Total unnötigen Stress. Der Gedanke die Aufgabe abzugeben war schon länger da und ich hatte ihn auch schon vor Wochen gegenüber anderen geäußert. Aber dieser Vorfall, bei dem man mir nicht mal ein „Danke“ oder ein „Okay, nett dass du dich drum kümmerst“ entgegen gebracht hat, war dann einfach das i-Tüpfelchen und der letzte Stein der mich dazu bewegt hat die Klassenkasse endgültig abzugeben. Ein Punkt weniger auf der Stress-Liste! Und ich werde den nächsten Elternabend aus Selbstschutz auch meiden. Denn ich weiß, wenn es keiner freiwillig macht, hab ich das Ding am Ende doch wieder an der Backe. Weil ich halt so bin. Jemand der sieht wie andere das alles weg schieben, lieber gar nichts beitragen und dann denkt „Dann mach ich halt“ – Das wird oft auch ausgenutzt. Mich haben Eltern aus der Schule auch schon sehr herablassend als „Gutmensch“ betitelt. Das ärgert mich echt.

Es ist doch so: Wir ALLE haben viel zu tun. Wir alle haben wenig Freizeit. Die, die gut darin sind Aufgaben und Tätigkeiten zu vermeiden, leben stressfreier und das ist auch toll für die. Aber wenn man Aufgaben gerecht verteilt und jeder ein bisschen was macht, dann haben doch alle was davon, anstatt zu denken „Das können mal schön die anderen machen, ich halt mich da raus“ – da das allerdings offenbare rosarote Utopie ist, werde ich mir wohl selbst auch ein Stück „Das können mal schön die anderen machen“ aneignen müssen. Aus Selbstschutz. Auch wenn es gegen meine Natur ist. Aber sich für andere kaputt machen bringt ja auch nichts, am wenigsten meinen Kindern!

Auch ein lapidares „Du kannst ja ab dem neuen Schuljahr Elternsprecherin werden – du arbeitest ja nicht“ macht mich jedes Mal sprachlos. Stimmt, ich arbeite nicht. Abgesehen davon das ich gerne würde, wüsste ich momentan gar nicht wie ich das aktuell noch unterbringen soll. Ich arbeite eigentlich doch. Nämlich 24/7 7 Tage die Woche. Nur dass das keiner sieht.

Veränderungen im Blog

Auch hier im Blog war es still, weil es in mir rumort hat und ich eine Pause brauchte. Jetzt habe ich mich entschieden auch hier etwas radikal zu ändern. Es wird keine Kooperationen mehr geben. Vielleicht nicht gar keine mehr. Vielleicht läuft mir irgendwann was tolles über den Weg was einfach zu perfekt passt. Aber so wie bisher wird es nicht mehr laufen. Es ist mir einfach zu viel.

Man rutscht auch in der Bloggerszene langsam in so eine Schiene die mehr Stress als Spaß macht. Optimierung, Gruppen für selbige, du musst dies, du musst das, regelmäßig posten, dann und so und so viele Pinterest Pins teilen/posten, Instagram, sich gegenseitig folgen, kommentieren und so weiter. Wann wird was gebloggt und geht das Thema eigentlich oder vergraule ich damit Kooperationspartner?

Schluss damit!

Ich nicht mehr. Weg mit dem Stress, dem Druck, den Terminen, den Gruppen, dem Müssen und dem ganzen drumherum. Ich mach nur noch das worauf ich Lust habe. Die Affiliate-Links bleiben aber und ich hoffe das ist okay. Es deckt die Kosten für den Blog.

 

Wieso stressen wir uns so?

Neulich kam mir ein Gedanke. K1 bekommt ja eine Zahnspange und wir mussten letzte Woche an zwei Tagen zum Kieferorthopäden nach Bremen. Ein Weg dauert jeweils über eine Stunde – wenns gut läuft! Wir sind also lange unterwegs. Und dann sitze ich so im Bus und stresse mich schon wieder selber, weil es mich nervt so viel Zeit zu verplempern. Was könnte ich in den insgesamt ca. 2,5 Stunden Fahrtzeit nicht alles erledigen. Was bleibt da schon wieder alles liegen. Und dann dachte ich: Wieso ist das eigentlich so?

Wir leben doch heute in einer modernen Zeit die uns so viele erleichtert. Wir haben kleine Taschencomputer mit denen wir von überall Dinge erledigen können, für die wir früher zuhause sein mussten. Wir können also solche Fahrtzeiten gut nutzen. Ich kann sogar von überall aus bloggen. Na gut, nicht so wie zuhause am PC, mir fehlt meine Bildbearbeitung und einige Funktionen. Aber ich kann über die WordPress-App meine Texte grob vorschreiben und das ist ja auch schon mal was.

Wir haben Staubsauger- und Wischroboter, wir haben Fenstersauger und effiziente Waschmaschinen, Onlinebanking, das Internet of Things, die OnLeihe, die uns das Ausleihen von Bücher jederzeit ermöglicht und sogar das Zurückgeben geliehener Bücher automatisiert. Um nur mal ein paar Dinge aufzuzählen. Es geht heutzutage so vieles einfacher und schneller.

Und trotzdem haben wir immer weniger Zeit, immer mehr Stress. Das ist doch Scheiße! Das kanns doch echt nicht sein? Nervt nur mich das?

Es muss sich etwas ändern!

Ich glaube ich stehe am Anfang eines längeren Prozesses. Ich muss für mich analysieren was mich am meisten stresst, was Zeit frisst, was ich verändern kann, wofür ich gerne Zeit hätte. Einiges habe ich schon geändert. Aber das sind eher kleine Dinge. Da muss noch viel, viel mehr passieren!

Mein Hauptproblem, und das habe nicht nur ich, da werden sich viele wiedererkennen, ist einfach das ich im Prinzip viele Jobs gleichzeitig mache. Und Kranksein kann ich mir nicht erlauben, denn das muss alles weiterlaufen, auch wenn ich Rotzekrank bin. Für mich gibts keinen Krankenschein, ich kann meiner Arbeit nicht fern bleiben. Die ist nämlich immer da wo ich bin.

Ich bin die Mutter, die zwei Kinder versorgt und erzieht, sich um Schule, KiGa, Arzttermine, Zettelkram kümmert.
Die Managerin die alles plant und organisiert, sagt wer wann was zu tun hat und über alles (versucht) den Überblick zu behalten. Seien das Termine, die Müllabfuhr oder was anderes.
Die Köchin die Mahlzeiten plant und kocht und auch den Einkauf überwacht (weil mein Mann bei „Sahne“ sonst saure Sahne mitbringt – nur als Beispiel).
Die Putzfrau die versucht den Haushalt und die Wäscheberge in den Griff zu bekommen.
Die Privatsekretärin die für ihren Mann Termine vereinbart, Dinge erledigt.
Die Gärtnerin die versucht die Blumen am Leben zu erhalten.
Die Schülerin die ihr Abitur nachholen möchte.
Die Bloggerin die in dem ganzen Chaos versucht ein bisschen Geld zu verdienen (naja gut, das hab ich ja nun mehr oder weniger beendet).
Die Frau die sich um den Hund kümmert (ja, zu 90% bin ich das. Ich gehe Gassi, ich schere, ich gehe mit ihm zum Tierarzt, versorge ihn wenn er krank ist und gebe ihm Futter. Mein Mann wirft es mir noch vor wenn ich es mal vergesse. Anstatt es direkt selbst zu tun!)
Und irgendwo – wenn ich mal 5 Minuten Luft habe – bin ich auch die Frau die gerne mal Ruhe und Freizeit hat. Was so gut wie nie vorkommt.

Bestimmt hab ich noch was vergessen. Nicht alles läuft zu 100%. Wie denn auch? Der Tag hat gar nicht genug Stunden dafür. Gerade dieser Tage wären mir fast meine Kräuter eingegangen, weil ich vergessen habe sie zu gießen. Und vom Haushalt und der Schule sprechen wir mal erst gar nicht.

Einiges davon muss sich ändern. Einiges davon wird erst mal stressiger und nerviger für mich. Ich bin jemand der ungern Dinge abgibt, weil er genaue Vorstellungen davon hat, wie es zu laufen hat. Und bevor es dann schief geht, mach ich es halt lieber selbst. Siehe die Sahne-Geschichte. Aber das kann ja auf Dauer nicht die Lösung sein. Auch andere können sich bemühen und mitdenken, anstatt sich in der bequemen Situation auszuruhen sich auf mich verlassen zu können und selbst nicht mitdenken zu müssen.

Na, erkennt ihr euch ein bisschen wieder?

Habt ihr vielleicht schon was geändert?

 

Vielleicht magst du auch

Keine Kommentare

    Hinterlasse einen Kommentar

    Bitte beachte: Wenn du auf meinem Blog kommentierst, werden die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) übermittelt. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung.