Kinderchaos

Das neue Genderding

Heute hat mich ein Video bei Facebook veranlasst einen Artikel zu verfassen. Es geht in dem Video um Bücher für Kinder und ein Experiment.

Zuerst wurden Bücher aussortiert die keine männlichen Charaktere enthalten. Resultat: 3

Dann hat man Bücher aussortiert die keine weiblichen Charaktere beinhalten. Resultat: 76

Als nächstes wurden Bücher entfernt in denen es weibliche Charaktere gibt, aber nicht sprechen. Resultat: 141

Zu guter letzt hat man Bücher aussortiert die von Prinzessinnen handelten. Resultat: Es wird keine Zahl genannt, aber danach ist das Regal ziemlich leer. Es sind, wenn ich mich nicht verzählt habe und man alle sieht, noch 38 Bücher im Regal verblieben.

Das hat mich stutzig zu meinem Regal blicken lassen. Denn da stehen auch meine alten Kinderbücher drinnen. Und ich weiß ja nicht wie das bei anderen aussieht, aber bei mir handeln die Bücher alle von Mädchen.. gut, nicht nur, da sind auch Jungs drin 😀 Aber in allen Büchern kommen Mädchen vor die stark sind, mutig, einfallsreich, sich durchsetzen… Teilweise sind diese Bücher älter als ich, da ich sie von meiner Tante übernommen habe. Hanni und Nanni, Burg Schreckenstein (okay, da gehts ja eigentlich um die Jungs.. aber auf der anderen Seite vom See wohnen die Mädchen und die habens genauso faustdick hinter den Ohren.. und jetzt schweife ich ab), die Bücher von Tina Caspari, Astrid Lindgren! Pipi Langstrumpf, Ronja Räubertochter, der Sattelclub und was ist mit Harry Potter?? Mal ehrlich jetzt, ohne Hermine währen die beiden Jungs aber so was von am Arsch gewesen! Oder? Ganz zu schweigen von allen anderen Büchern die mir jetzt dank Schangerschaftsdemenz sicher nicht einfallen. Aber das sind doch schöne Beispiele für Bücher in denen es nicht um doofe rosafarben bekleidete Prinzessinnen geht die stumm vom Prinzlein träumen, der sie hoffentlich bald errettet.

Ja, das sind alles Bücher die schon älter sind. Teilweise sehr alt. Ich habe mich zugegebenermaßen noch nicht so wirklich mit neueren beschäftigt, weil meine Tochter erst 2 Monate alt ist. Aber ich kann mir durchaus vorstellen dass sich das in den letzten Jahren drastisch geändert hat und es inzwischen mehr Kinderbücher mit stummen oder dumpfen weiblichen Charakteren gibt als früher. Denn allgemein haben wir doch inzwischen ein riesiges Genderproblem (ich mag das Wort Gender eigentlich nicht, aber es passt grad so gut) das es vor Jahren gar nicht gab!

Geht doch mal einkaufen. Im Einzelhandel gibt es Mädchen-Überraschungseier, extra pink und mit irgendwelchen Barbiefiguren oder Disney-Prinzessinnen drin. Es gibt Mädchenhefte, Pink und glitzernd.. mit dämlichen Handys oder ähnlichen Sachen drinnen. Oder Mädchen LEGO Hefte mit Prinzessinnen und Feen.

Da sind wir direkt bei der nächsten Kategorie: Spielzeug! LEGO und Duplo haben mittlerweile extra Mädchen-Serien ihres Spielzeugs rausgebracht. Vor allem das LEGO sieht, Figurentechnisch, sehr stark nach Polly Pocket aus (wer es noch kennt). Googlet mal Werbung von Lego damals und heute. Wo die LEGO-Werbung früher ein Mädchen mit Zöpfen und ziemlich neutralfarbig bekleidet mit Latzhose zeigte, die stolz ihr kreatives LEGO präsentierte, sitzen da heute Mädchen aufgestylt in typischen Mädchenfarben vor einem Tisch mit LEGO extra für Mädchen, knallig Pink, Lila… ein Märchenschloss oder ein pinker Reiterhof. Wie niedlich 😒  Und ich frage mich jedes Mal wenn ich diese Werbung sehe „Wie hab ich das eigentlich früher ohne diesen Kram überlebt?“ und „Wozu muss es extra Mädchen LEGO geben?!“

Auch sehr schön fand ich mein Suchergebnis neulich zu Ravensburger TipToi. Da gibt es „Spielewelten“. Polizei, Feuerwehr, Autorennen – alle drei typisch für Jungs aufgemacht mit männlichen Charakteren auf der Verpackung und *trommelwirbel* Einkaufszentrum! Für die Mädchen. Mehr nicht. WHAT SE FUCK?! Ich dachte echt „Das kann doch jetzt nicht deren Ernst sein?“ – Doch kann es. Die Jungs dürfen also brennende Häuser löschen, Verbrecher festnehmen und Autos tunen, aber die Mädchen gehen nur shoppen. Natürlich können die Mädels auch mit den anderen Spielwelten spielen. Aber werbetechnisch ist es ganz klar auf bestimmte Geschlechter festgelegt und das macht mich traurig.

Wir leben im Jahr 2017. Wir sollten doch mittlerweile weiter sein als vor 30 Jahren. Aber ich habe das Gefühl das Gegenteil ist der Fall. Wir machen eher riesengroße Rückschritte. Was mich an der ganzen Sache ärgert ist noch nicht mal das quietschrosa Zeug und die Aufmachung. Sondern der Inhalt, die wenigen Möglichkeiten die den Mädchen da geboten werden in dieser rosa-pinken Verpackung. Prinzessinnen, Feen, Pferde und Shoppingcenter.. und sonst? Nichts? Okay.. bei LEGO dürfen sie auch noch Eis verkaufen und Kuchen backen. Aber das ist nicht unbedingt besser. Wieso gibt es keine Anwältinnen? Oder Ärztinnen? (nein, keine Tierärztin! So eine richtige!) oder eine Abenteurerin, so Tomb Raider-like?

Übrigens existiert hier auch was von dem rosa-pinken Legozeug. Und von Playmobil auch. Nicht vorsorglich fürs Tochterkind gekauft. Im Gegenteil. Das gehört meinem Sohn. Ich hab nämlich absolut nichts dagegen wenn er so was haben will. „Das ist doch für Mädchen“ ist, wenn überhaupt, ein Satz den er selbst aus dem Kindergarten mitgebracht hat. Und ja, das hat er tatsächlich schon gesagt. Als er aber gemerkt hat dass uns das egal ist was bitteschön für wen sein soll, war ihm das auch wieder egal. Wieso denn auch nicht? Wenns ihm Spaß macht.

Und das ist eigentlich mein Hauptproblem: In meinem Kopf gibt es diese Grenze „Mädchen – Junge“ nicht. Wieso existiert sie in den Köpfen derer, die diese ganzen Dinge entwerfen und verkaufen und vor allem in so vielen Köpfen anderer Eltern, die ja offenbar den Satz „Das ist doch für *das andere Geschlecht*“ immer noch gerne verwenden?

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1 Kommentar

  • Antwort
    Alexandra
    15. März 2017 um 8:42

    Hi, ja dieses Phänomen habe ich auch schon festgestellt meine beiden Löwenkinder sind 6 Jahre und 2 Jahre. Der kleine Löwe kannte am Anfang nur Mädchenspielsachen da wir eine Puppenmama durch und durch zu Hause haben. Es hat Ihm niemand erzählt das Jungs mit Autos, Feuerwehr ect. spielen. Auf einemmal so mit 9 Monaten fing es an das er sich für Autos, Feuwehr. Polizei intressiert hat. Wie aus dem nichts. Er ist ein kleiner Junge durch und durch der aber auch mal gerne ein Prinzessinenbuch anschaut. Ich muss zugeben wir haben auch das ein oder ander Starke Mädchen Buchen. Ich schaue aber immer um welche Geschichte es sich handelt. LG Alex von Margreblue

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