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Wie man sich mit einem Fehler viele Probleme schaffen kann

Heute: SSW 38 / 37+0

Letzten Montag war ich bei der Vorsorgeuntersuchung. Da die neue Ärztin ja sehr verkehrsungünstig liegt was ÖPNV anbelangt, legen wir die Termine so früh dass Herr Nord mich begleiten kann.

An diesen Tagen stehe ich früher auf als sonst. Denn der Rest was sonst morgens gemacht werden muss, muss dann ja auch erledigt werden. Letzten Montag war ich echt sehr verpennt, tapste ins Wohnzimmer und wollte was trinken. Da stand auf dem Wohnzimmertisch eine Flasche Vilsa Zitronenlimonade. Und ich hatte noch den Satz vom Mann am Vorabend im Kopf „Du hast die ja gar nicht leer gemacht?!“ – ab und zu mag ich Zitronenlimonade nämlich ganz gerne und der Mann hatte die für was anderes gekauft, aber den Rest der Flache mir zugestanden weil er weiß dass ich die mag.

Da gerade kein Wasser da war und ich zu faul zum laufen, trank ich die eben leer. Und erst hinterher dämmerte mir „Sch… Du musst doch nachher Urin abgeben!!!!“ und hätte mich selbst Ohrfeigen können! Denn aus Erfahrung aus der ersten Schwangerschaft weiß ich das bei mir relativ schnell Zucker im Urin landet.

Schon damals wollte die Frauenärztin nicht wahr haben dass mein Blutzucker nicht zu hoch ist. Ich hatte zwei große Zuckertests und musste anschließend trotzdem zum Diabetologen weil sie es immer noch nicht glauben wollte. Und der war gar entspannt und meinte ich wäre unnötig da, das wäre bei manchen eben so dass die Nieren vor allem in der Schwangerschaft mehr durchlassen als sie sollten.

Und wie erwartet hatte ich dann um kurz nach 8 Uhr Zucker im Urin. Nicht viel, nur ein einziges Plus landete im Mutterpass. Und das wo die ganzen vorherigen VUs nichts war. Aber das eine Plus reichte dann offenbar aus um mich zum Diabetologen zu schicken. Danke auch. Ich hab ja in dieser Schwangerschaft nicht schon genug Ärzte gesehen!

Ich machte dann einen Termin in der Praxis aus wo ich schon endokrinologisch betreut wurde. Zwar schon Jahre her, aber immerhin haben die schon eine Akte von mir und auch Zuckerwerte von mir. Da war ich ja in der letzten Schwangerschaft auch. Leider hatte mein Arzt (Endokrino- und Diabetologe) keine Zeit für mich, so dass ich bei der zweiten Diabetologin landete.

Diese hat mich dann am Freitag untersucht, den Urin gecheckt – der dann natürlich in Ordnung war (ach was?! Total unerwartet!) – und meinte dann es spräche ja nichts für eine Gestationsdiabetes, es gäbe nichts was Anlass zur Sorge bereitet. Das Kind ist normal groß, ich habe nicht zu viel Fruchtwasser, ich habe sonst keinerlei Anzeichen die darauf hindeuten, der oGTT war ja auch gut und nicht auffällig. Nun ja, das wusste ich auch so! Dafür hätte ich nicht extra noch mal zum Arzt gemusst!

Und dann kam das große ABER: AAAAABER ich solle doch trotzdem am Dienstag noch mal in die Praxis kommen und zur Diabetesassistentin, mir ein Blutzuckermessgerät abholen und Zucker messen. Nur so zur Kontrolle. Damit man ein paar Werte hat.

Ich hab gesagt dass das für mich sehr umständlich ist, da ich ohne Auto alleine für einen Weg mindestens 1 1/4 Stunden unterwegs bin. Ist ihr egal. Mir nicht in der 38. Woche. Aber meine Meinung zählt offenbar irgendwie nicht. Und dann einfach so, ohne Grundlage? Die Praxis hat auch ab 23.12. zu und wer kontrolliert dann die Werte und bespricht das mit mir? Was für einen Nutzen hat das denn bitte, wenn ich frühestens im neuen Jahr noch mal hin kann? Dann steht die Geburt eh kurz bevor? Hab ich irgendwo was verpasst???

Der Gipfel war dann, als die Ärztin sich von mir verabschiedete und mir alles Gute wünschte. Ich muss entsprechend doof geguckt haben, denn sie erklärte mir dann „Wir werden uns wegen der Sache nicht wieder sehen“. Also für sie ist die Sache schon abgehakt. Wie schön. Wo ist eigentlich die versteckte Kamera oder übertreibe ich jetzt???

Entsprechend betrübt war ich auf dem Heimweg. Jeder dem ich erzähle wieso ich so bedrückt bin, rät mir dazu, mir den Stress erst gar nicht zu machen. Ich soll das Messgerät nicht abholen und nichts messen. Das Problem ist nur dass ich die Patientin bin und von den entsprechenden Seiten eins auf die Mütze bekomme, nicht die anderen. Aber im Prinzip denke ich genauso.

 

Noch mehr Druck

Aber das war noch nicht das schlimmste. Das kam erst heute bei der nächsten Vorsorge. Die letzte Vorsorge durch die Frauenärztin dieses Jahr. Danach hat sie Urlaub.

Mit ging es übers Wochenende gar nicht gut. Nach dem ganzen Theater mit Arztwechsel, dem Zahn, dem Krankenhausaufenthalt ist mir das jetzt wirklich zu viel. Zu viel Stress, zu viel Druck. Ich habe festgestellt dass ich übers Wochenende die Schwangerschaft komplett ausgeblendet habe wenn es möglich war. Ganz weit weg geschoben. Ich bin gar nicht schwanger, da ist kein Kind. Als mir das bewusst wurde hat mich das schon etwas entsetzt. In der letzten Schwangerschaft war ich furchtbar gerne Schwanger. Und die Schwangerschaft lief so gut, entspannt und Problemfrei. Und so war auch die Geburt. Und jetzt hab ich laufend irgend einen Mist an der Backe. Ich bin so furchtbar müde. Ich will doch einfach nur meine Ruhe auf die letzten Wochen. Vor allem auch weil Weihnachten ist. Ich hätte so gerne gemütliche, entspannte Feiertage. Aber mir ist selbst das weihnachtliche Gefühl abhanden gekommen. Wenn es nicht im Kalender und hier ein Weihnachtsbaum stünde, wäre für mich definitiv kein Weihnachten. Das Gefühl dafür fehlt komplett.

Als die Ärztin fragte wie es mir geht habe ich auch gesagt dass es mir nicht gut geht. Dass mich das alles stresst und ich keine Lust mehr habe. Dass es mir am liebsten wäre es ginge jetzt heute schon los und ich hätte es endlich hinter mir.

Ihre Vermutung war dann „Das liegt bestimmt auch am Weihnachtsstress!“

Ich find das immer wieder toll wenn mir andere Leute auf den Kopf zusagen wie es in mir aussieht, schön dass andere besser wissen was mir auf dem Herzen liegt und was mich stresst als ich selber. Ich habe keinen Weihnachtsstress. Woher denn? Wieso denn? Ich muss nix kochen, alle Geschenke sind besorgt, es kommt kein Besuch und ich freu mich nicht mal auf die Feiertage. Was soll mich denn bitte stressen?

Was mich wirklich stresst ist, dass ich morgen quer durch die Stadt eiern muss um ein Blutzuckermessgerät abzuholen. Dass keiner fragt was as morgen für ein Stress für mich ist. Dass ich nun hochschwanger dann NOCH früher als zu den Fa-Terminen aufstehen muss, weil ich sonst nicht alles geregelt bekomme, weil mein Mann zudem auch extra früher zur Arbeit geht um wenigstens den Sohn abholen zu können weil ich nicht weiß ob ich es rechtzeitig wieder nach Hause schaffe, dass ich vorher noch mit dem Hund Gassi muss weil ich nicht weiß wie ich das sonst regeln soll, denn der hat halt auch seine Bedürfnisse! Dass ich mein Essverhalten umstellen muss fürs Zuckermessen (ich esse mittags eigentlich nix, aber da ich nach den Hauptmahlzeiten messen muss, muss ich gezwungenermaßen jetzt mittags was essen, ob ich will oder nicht), dass ich allgemein meine Lebensweise nach einem blöden Gerät ausrichten muss. Und das alles ohne dass es dafür einen triftigen Grund gibt. Ich könnte es akzeptieren wenn es begründet wäre. Aber nicht so.

War ihr egal

Der Urin war übrigens auch heute wieder okay. Alles perfekt. Aber trotzdem hält man an dem Diabeteskram fest. Ich würde das nicht ernst genug nehmen. Und dann sagte die Ärztin zum Schluss noch was, dass mich auch üüüüberhaupt nicht stresst:

„Die Messergebnisse können Sie dann nächste Woche mit der Hebamme besprechen. Wenn die schlecht ausfallen, muss sie Sie ins Krankenhaus einweisen!“

Bitte was?? Das macht mir ja nun gar keinen zusätzlichen Druck oder Angst. Vor allem über die Feiertage. Danke auch. Total klasse.

Als ich die Praxis verließ musste ich mich wirklich arg zusammenreißen um nicht loszuheulen. Ich glaube ich hätte dann keinen Schritt mehr gehen können, ich hatte so schon wackelige Knie. Zuhause hab ich mich ins Bett verkrochen, bestimmt eine Stunde geweint und musste mich arg zwingen überhaupt wieder aufzustehen um den Sohn abzuholen. Am liebsten würde ich mich da die nächsten Wochen verkriechen und nicht mehr raus kommen.

Ich hab es wirklich satt. Und ich bin froh wenn ich ganz ganz lange keine Ärzte mehr sehen muss für mich. Aber das Glück wird mir nicht vergönnt sein. Denn ich muss ja nach der Geburt noch mal zum Frauenarzt. Und zum Zahnarzt. Und bestimmt auch noch mal in die Diabetologenpraxis. Und wer weiß ob man mir da nicht noch mal einen großen Zuckertest aufdrängt. Aber ganz ehrlich die können mich dann mal ganz gepflegt an die Füße fassen.

Ich bin mal gespannt wie die Diabetesassistentin drauf ist. Eventuell ist die ja humaner. Ich bin eigentlich geneigt die nächsten Tage korrekt zu messen und wenn die Werte ALLE gut sind, dann lass ich es danach bleiben oder messe sporadisch mal. Es sollen doch angeblich eh nur Werte zur Kontrolle sein.

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