Gedanken zu Instagram

Am Sonntag und Montag ist es mal wieder passiert. Die Followerzahl bei Instagram ist merklich geschrumpft. Und das nur weil ich zwei, drei Posts zur Wahl gepostet hatte.

Das ist mir so schon öfter passiert. Nicht unbedingt wegen politischen Themen. Sondern auch einfach so, sobald ich mich auch nur einen halben Schritt aus der heilen Welt wage und etwas poste das eben nicht nur positiv ist.

Immer wenn das so ist, merke ich dass viele Instagram-User wirklich lieber die plüschige heile Welt haben wollen. Niedliche Babyfotos am laufenden Band. Am besten inklusive glücklicher Mami – Die darf nie übermüdet oder genervt sein. Schickes White Interieur, aufgehübschte, gestellte Fotos von glücklichen Familien. Bloß nichts aktuelles, bloß nichts negatives. Es wird immer kritisiert dass Accounts, die so posten Druck auf Mütter ausüben denen es eben nicht so geht. Wo nicht immer alles schön ist. Weil sie denken “Wieso ist das bei mir nicht so wie bei denen? Hab ich ein Problemkind? Mache ich etwas falsch?” oder dass sie sich dadurch schlecht fühlen, wenn sie mal genervt sind. Aber ganz ehrlich? Es wollen ja viele auch so!

Es geht mir übrigens nicht darum dass User genau das tun was ich empfehle: Nämlich zu entfolgen wenn einem ein Account nicht zusagt anstatt zu kritisieren. Sondern wie gesagt das kritisieren oder eben das direkte entfolgen nach einem einzigen Post der einem nicht in den Kram passt. Das ist ja ungefähr so als ob ich Freunden sage “Du bist nicht mehr mein Freund wenn du nicht zu 100% nur das tust was ich gut finde!”

Ich folge vielen tollen Accounts. Und ganz ehrlich, nicht immer finde ich jeden Beitrag 100% gut. Aber das ist kein Grund für mich zu entfolgen. Und vielleicht gehts ja manchem Leser hier auch so, dass er nicht alles, was ich blogge gut findet oder lesen mag. Aber ich hoffe ihr kommt trotzdem wieder 😉

Denn es geht ja um das Gesamtbild. Man muss ja nicht alles mögen oder gut finden. Man muss nicht 100% einer Meinung sein. Wäre ja auch langweilig wenn es so wäre! Klar, wenn sich jemand verändert und man nicht mehr zusammen passt, dann entfolgt man, liest nicht mehr. That’s Life.

Mir hat noch keiner Jammern vorgeworfen, ich habe es aber schon öfter in Accounts gelesen, denen ich gerne folge. Accounts von ganz normalen Mamas, wo eben nicht alles gut läuft. Die vielleicht ein krankes Kind haben und über die Probleme berichten die sie haben oder gerade mal eine schlechte Phase. Gehört dazu. Zum Leben.

Aber dann kommen irgendwelche User und meinen Vorschriften machen zu müssen was Menschen posten dürfen.

“Deine Jammerposts nerven”

“Sieh doch nicht immer das negative, sei froh dass dein Kind lebt”

“So was will doch keiner lesen”

Ööööhm… Ich bin ja der Ansicht dass, egal ob Twitter, Instagram oder andere Netzwerke, jeder User selber entscheiden kann, was er postet und zeigt. Wem das nicht passt, der kann ja entfolgen. Man zwingt ja niemanden das was man schreibt oder zeigt auch zu lesen oder anzuschauen.

Ich könnte mittlerweile sicher eine Fünfstellige, wenn nicht sogar sechsstellige Followeranzahl haben, wenn ich mich bemühen würde, nur Fotos mit der Spiegelreflex zu machen, vorher zu bearbeiten und mir gute Texte dazu zu überlegen. Aber das bin nicht ich. Ehrlich gesagt ist mir das viel zu viel Arbeit, zu viel Zeit. Denn ganz ehrlich, wie viel Zeit würde dafür drauf gehen, erst 50 Fotos zu machen, dann das beste auszusuchen, zu bearbeiten etc. pp.

Wofür? Dass Menschen einem Gespenst folgen das ich erschaffen habe? Denn wenn ich das täte, wäre das, wie gesagt, nicht mehr ich. Es wäre ein virtuelles Ich, eigens für Instagram, für die Follower. Alleine der Gedanke fühlt sich schon unangenehm an. Das ist es doch nicht wert! Mir jedenfalls nicht.

Dann werde ich halt nie “groß”, dann werde ich halt nie viele Follower haben und vielleicht nie auch nur eine 4-stellige Followeranzahl haben. Aber dafür bin ich Ich geblieben. Dafür folgen mir die Follower die ich habe, weil sie mich und meine ungestellte Art mögen. Dafür freue ich mich, wenn ich mal ein richtig gutes Foto poste, weil mir mal ein richtig gutes gelungen ist. Und dafür habe ich mehr Zeit für andere Dinge.

Das soll übrigens keine Kritik an Account ein die eben jene Art zu posten nutzen und mögen. Das bleibt jedem selbst überlassen. Das muss jeder selber wissen. Hauptsache man ist damit glücklich 🙂

31 Jahre alt, 2 Kinder (2011 und 2017), verheiratet seit 2008.

Internetaffine Serienjunkie, Bücherwurm und Hörbuchfan, Gamerin, backt und kocht gerne, hängt an der (Strick-/Häkel-)Nadel und hat einen Hang zur Wollsucht.

Comments (2)

  1. Huhu,
    ich bin gerade wegen deines Halloween-Kommentars auf deinen Blog aufmerksam geworden, den ich total schön finde, weil du so authentisch schreibst.
    Was Instagram angeht, so bin ich ganz bei dir: Mir muss nicht alles gefallen, was andere so posten, das ist klar. Und wenn mir etwas auf die Nerven geht, “übersehe” ich es eben, statt einen unhöflichen Kommentar darunter zu schreiben.
    Mit einem Blog macht man sich und sein Leben öffentlich. Das provoziert leider nicht nur nettes Feedback – und das ist gut so. Denn stets und ständig nur einer Meinung zu sein, bringt uns nicht weiter. Schau, ohne die bösen Kommentare wäre dein Artikel nicht entstanden.
    Trotzdem würde ich mir mehr konstruktive Kritik wünschen, denn mit “du nervst” kann ich auch nicht viel anfangen. Vielleicht sollte man da mal ganz keck nachfragen, wie das gemeint ist.
    Frohes Bloggen jedenfalls!
    LG Anne!!!

    1. Das stimmt absolut.
      Feedback ist immer toll. Egal ob positiv oder negativ. Damit kann man arbeiten, wachsen.
      Und Diskussionen können ganz wunderbar sein, wenn sie auf einem gewissen Niveau bleiben. Da können alle Seiten etwas positives aus der Diskussion ziehen, über den Tellerrand gucken.
      Schlecht wird es immer wenn die Stimmung kippt und es persönlich wird :-/

      In den über 15 Jahren, die ich mich jetzt im Netz bewege, hat sich leider eines nicht geändert: Die Menschen lassen gerne ihren privaten Frust und Ärger im Netz los. Das ist einfach praktisch: Da sitzt man vor einem Bildschirm, den kann man bequem ausknipsen und sich nicht mehr damit auseinander setzen. Im Gegensatz dazu wenn man das an Personen aus dem Umfeld auslässt.

      Und wenn man das weiß oder sich bewusst macht, kann man verletzende Kommentare besser verarbeiten bzw, abhaken.

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