Wie das Nordbaby zur Welt kam

Am Freitag war ich bei 39+4 bei der letzten regulären Vorsorge. Und kam mit einer Krankenhauseinweisung wieder aus der Praxis. Ich hatte zu hohen Blutdruck, 160/100. Und da das Wochenende vor der Tür stand, wollte die Ärztin auf Nummer sicher gehen und im Krankenhaus eine Präklampsie ausschließen lassen.

Ich dachte das wars jetzt. Die leiten sicher ein und dann ist bald das Baby da. Aber nein. Ich wurde stationär aufgenommen und mehrfach untersucht. Zwei Mal Gestationslabor, 24h Sammelurin, 24h Langzeitblutdruck etc. und am Dienstag wurde ich nach einem Dopplerultraschall wieder entlassen weil alles negativ war und Doppler perfekt.

Als ich mich im Schwesternzimmer verabschiedete, meinte die eine noch “Morgen sehen wir uns wieder” –  Wie recht sie doch hatte 😂

Ich war froh endlich wieder im eigenen Bett zu schlafen. Den Mittwoch ging ich ruhig an, packte meine Kliniktasche neu, wusch meine Wäsche und machte etwas Haushalt. Ansonsten schlief ich noch eine Runde bis der Mann mittags den Butscher vom Kindergarten abholte und mitbrachte.

Nachmittags verzog sich der Butscher in sein Zimmer und baute dort Lego während wir “Westworld” guckten. Bis zum KH-Aufenthalt kam ich nur bis Folge 6 und ich wollte unbedingt wissen wie es weiter geht!

Leider fingen da die Wehen an. Ich stoppte nebenbei ab 16 Uhr mit der Wehenzähler-App und wunderte mich dann irgendwann dass die Wehen alle in ziemlich kurzen Abständen kamen. Nicht regelmäßig, aber dafür alle 2 bis 5,5 Minuten. Keine mit mehr Abstand.

Herr Nord fragte ob er die Folge stoppen soll, ich stimmte zu und beschloss unter die Dusche zu gehen und zu schauen ob die Wehen verschwinden (wir haben keine Badewanne). Sie blieben. Nach einem kurzen Tweet mit der Bitte um Meinungen, rief ich im Kreißsaal an und schilderte meinen Zustand.

Ich solle vorbei kommen, man würde mal schauen.

Also sammelten wir alle Sachen (Kliniktasche etc.) ein, zogen uns an und fuhren um 17:30 Uhr ins Krankenhaus. Mit dem Sohn. Eigentlich wollten wir Abends zum Burger King. Diese Planung war dann erst mal dahin.

Unterwegs wehte ich weiter. Gegen 18:05 kamen wir am Krankenhaus an, um 18:15 Uhr hing ich am CTG,  welches auch richtig gute Wehen aufzeichnete. Von der Intensität waren die schon nicht mehr einfach, ich konnte auch nicht liegen und saß lieber und es ging nicht mehr ohne veratmen. Die Hebamme half mir dabei und befühlte in den Wehen den Bauch.

Zwischenzeitlich kam die Oma den Butscher abholen, welcher mit der Situation sichtlich überfordert war. Er hatte Angst um mich und wollte mich partout nicht verlassen. Erst nach einigem an Überredung stimmte er zu und verabschiedete sich.

Zirka 15 Min. danach machte es *plop* und ich saß im nassen. Die Fruchtblase war geplatzt. Es gluckerte nur so aus mir heraus. Wäre die Fruchtblase irgendwo im Laden gesprungen, wäre ich ohne zu übertreiben in ner Pfütze gestanden! Auch beim aufstehen lief noch einiges raus.  Ab da war klar dass wir heute das Krankenhaus nicht mehr verlassen würden.

Die Hebamme half mir die nassen Sachen auszuziehen und untersuchte mich. Ergebnis: Muttermund bei 3cm

Ich wurde mit Binden und Netzhöschen versorgt damit ich nicht alles einsaue, dann bekam ich ein Laken und wir durften gefen 19:10 Uhr in einen Kreißsaal unserer Wahl umziehen. Ich wählte den größten, der hat eine eigene Toilette, eine Sprossenwand und den fand ich von allen am angenehmsten.

Ab da ging es rund, die Wehen nahmen rasant zu. Ich kam ans Funk-CTG damit ich mich frei bewegen konnte, ganz ohne Kabel. Zudem bekam ich einen Zugang, für Medikamente und Infusionen. Standardvorgehen.

Ich lief umher, versuchte die Hüften zu lockern weil ich merkte dass die Wehen extrem ins Becken und beide Oberschenkel zogen, hielt mich an der Sprossenwand fest wenn eine Wehe kam während mein Mann mir den Rücken rieb.

Von den Hebammen gab es viel Lob, ich würde das alles sehr gut machen.

Leider war ich gegen 20:30 gezwungen mich hinzulegen. Ich solle es mit linker Seitenlage versuchen, da die Herztöne vom Kind seit einigen Minuten bei jeder Wehe in den Keller gingen. Es wurde dadurch allerdings nicht besser und ich bekam 1 Liter Infusion angehängt. Trinken war nicht mehr drin, mir war zeitweise sehr schlecht und ich merkte dass mein Magen alles wieder rausschmeißen würde,  was jetzt rein kam.

Während die Flüssigkeit reingluckerte, musste ich auf dem Rücken liegen da die Herztöne in der Position gut zu finden waren und relativ stabil blieben. Leider war das für mich alles andere als bequem oder angenehm, denn die Wehen zogen extrem in den Rücken auf den Bandscheibenvorfall. Ich hatte irrsinnige Schmerzen im Lendenwirbelbereich und fing irgendwann an zu jammern dass ich nicht mehr kann, die Schmerzen waren einfach zu stark.

Und dann muss ich mich bei einer heftigen Wehe wohl ziemlich doll bewegt haben und das Baby auch, denn plötzlich waren die Herztöne komplett weg und einige Versuche sie wieder zu finden missglückten. Die beiden Hebammen sahen sich an, die eine sprach “Rufst du an?” und in mir stieg Panik auf. Ich sah mich schon im Not-OP am andern Ende des Flures mit Not-Kaiserschnitt weil mein Baby in Gefahr war. Und dann hörten wir nach einer gefühlten Ewigkeit ein dumpfes *bumm bumm bumm bumm* und ich glaube alle atmeten erleichtert auf.

Ich verlangte ein Schmerzmittel, weil ich es wirklich kaum noch aushalten konnte im Rücken. Außerdem fragte ich,  ob ich aufstehen könne, da ich mal auf die Toilette müsste.  Die Hebamme holte eine Paracetamol-Infusion und meinte die würden wir noch durchlaufen lassen, danach könnte ich auf Toilette gehen.

Das Problem war nur dass das Ding da schon gelaufen war. Also nicht die Infusion, sondern das Pipimachen. Mittlerweile musste es circa 21:30 Uhr sein, wenn nicht sogar 21:45 Uhr. Ich konnte auf der Toilette nicht mehr locker lassen, es ging absolut nichts. Ich hatte eher das Gefühl schon langsam mitpressen zu müssen und sagte das auch.

Die Hebamme meinte “Nein das geht nicht. Erst brauchen wir Pipi. Wenn das nicht alleine geht, dann halt mit Blasenkatheter!” was ich akzeptierte. Weil allein ging definitiv nichts mehr. Kein einziger Tropfen.

Das waren die schlimmsten Minuten meines Lebens! Während sie den Katheter legte, musste ich Presswehen veratmen und dem Pressdrang widerstehen. Und das ist quasi ein Ding der Unmöglichkeit! Ich hab ziemlich geschrien, irgendwo muss das ja alles hin, wenn schon nicht ins pressen 🙈

Nachdem der Urin dann endlich erledigt war, untersuchte sie mich und sagte die besten Worte überhaupt: “Muttermund ist vollständig offen, du kannst pressen!” Aber nicht im liegen! Ich wollte Vierfüßler und durfte mich entsprechend positionieren. Zwei Presswehen lang zumindest. Dann hieß es für mich Position ändern. Man fand die Herztöne nicht in der Position.

Ich sollte mich ins Bett hocken und mich am Tuch festhalten. War mir in dem Moment ziemlich egal, denn ich wollte einfach nur pressen, die Schmerzen endlich weg haben und mein Baby im Arm. Entsprechend aktiv arbeitete ich mit. Nach nur vier Presswehen war das Nordbaby geboren und wurde mir auf den Bauch gelegt. Endlich geschafft. Mein Baby ist da! Ich kann es sehen, berühren ❤️

Nur was war es denn jetzt? Mädchen? Junge? Das war ja nie eindeutig. Ich fragte. Aber keiner hatte hingeschaut 😂Und man hatte gleich ein Tuch über das Baby gelegt damit es nicht kalt hat. Also hob mein Mann das Tuch und verkündete nach kurzer Inspektion: “Ein Mädchen!” 😍

Nachdem wir unsere Tochter gebührend begrüßt hatten und der stolze Papa die Nabelschnur durchgeschnitten hatte, musste die kleine untersucht, gewogen und angezogen werden und ich hatte noch die Nachgeburt und meine Wundversorgung vor mir. Das alles wurde total entspannt erledigt. Die Geburtsverletzungen waren allerdings minimal. Ein Dammriss ersten Grades und ein paar Abschürfungen. Die Hebamme meinte, hätte ich nicht so doll gepresst wäre gar nichts passiert. Aber ich hatte solche Rückenschmerzen, ich wollte es einfach hinter mich bringen und ich wusste: Wenn das Baby raus ist, sind die Schmerzen weg. Also da nehme ich lieber den kleinen Dammriss in kauf 😉

Das Nordbaby brachte sage und schreibe 3970g auf die Waage. Und das bei 46cm Größe. Allerdings glaube ich dass die Hebammenpraktikantin sich vermessen hat, bei der U2 war sie 49cm groß.

Wir hatten gar keinen Stress den Kreißsaal bald freimachen zu müssen. Als wir alle fertig waren, half mir die Hebamme die kleine anzulegen und besorgte uns etwas zu essen.

Wir waren noch bis nach 1Uhr im Kreißsaal und danach bin ich so auf Station gelaufen. Ohne Kreislaufbeschwerden. Beim Sohn war das anders. Da bin ich beim ersten Aufstehen fast weggesackt, da wurde mir richtig schwarz vor Augen weil mein Kreislauf sich verabschiedet hat.

Uns geht es sehr gut. Wir konnten die erste Zeit im Familienzimmer genießen. Inzwischen sind wir schon Zuhause.

31 Jahre alt, 2 Kinder (2011 und 2017), verheiratet seit 2008.

Internetaffine Serienjunkie, Bücherwurm und Hörbuchfan, Gamerin, backt und kocht gerne, hängt an der (Strick-/Häkel-)Nadel und hat einen Hang zur Wollsucht.

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