Ohne PDA geht nichts – oder?

Heute: SSW 30 / 29+1

Ich muss das jetzt echt mal verbloggen, es ist ein Thema dass mich immer und immer wieder wundert wenn ich in Sozialen Netzwerken andere Schwangere lese:

Sobald sich Gedanken zur Geburt gemacht wird, ist die PDA im Gespräch. “PDA Ja oder Nein?” – “Hoffentlich schaffe ich es ohne PDA”, “Ich habe bald einen Termin zur Besprechung für PDA.” – Wieso?! Gerade bei Erstlingsmamas scheint eine Geburt ohne PDA gar nicht denkbar.

Ich habe da ganz oft den Eindruck als gäbe es nur diese eine Option. Entweder man erträgt irrsinnige Schmerzen oder man verlangt eine PDA. Dazwischen gibt es nichts.

Liebe schwangere Mamas: DAS STIMMT NICHT!

Wenn ihr in einem Geburtsvorbereitungskurs seid, dann habt ihr das Thema entweder noch nicht gehabt oder ihr habt einfach einen doofen Kurs erwischt! Denn Schmerzmittel sollte definitiv Thema sein! Es informiert, es beruhigt, es zeigt Möglichkeiten auf! Denn es gibt noch einige andere Optionen zwischen Schmerzen und PDA. Wenn ihr das Thema nicht im GVK habt, dann sprecht mit eurer Hebamme darüber oder fragt bei Geburtsanmeldung im Krankenhaus. Lasst euch aufklären! Lasst euch Ängste nehmen!

Eine PDA war bei der ersten Geburt nie Option für mich und wird es auch bei der zweiten nicht sein. Wieso? Unter anderem auch deswegen:

PDA – Fluch & Segen

Ich bekomme übrigens auch Angst, wenn ich mir die Statistiken anschaue. Aber der Grund ist ein ganz anderer: Interventionsarme Geburten werden nämlich wirklich selten. Die PDA ist ja schon die erste Intervention. Leider ist der Glaube weit verbreitet, eine Geburt liefe mit oder ohne PDA immer vorbestimmt gleich ab. Nur eben einmal mit und einmal ohne Schmerzen. Das stimmt so natürlich nicht! Denn durch die PDA wird der Geburtsverlauf signifikant verändert. Subjektiv wird er dadurch ganz klar verbessert, denn der Schmerz hört ja auf. Objektiv wird der Verlauf aber gestört und das hat Folgen: Ich habe diesen Mechanismus in meinem PDA-Artikel bereits ausführlich beschrieben.
In einer neuen Studie über den Gebrauch von PDAs wird sogar davon ausgegangen, dass eine Geburt mit PDA im Schnitt gut zwei Stunden länger dauert, als eine ohne PDA. Na gut, vielleicht sind drei Stunden ohne Schmerzen besser, als eine Stunde mit… aber was macht das mit dem Baby? Es erlebt eine längere Geburt, die häufig mit einer Saugglocke endet. Warum? Z.B. weil die Gebärende entweder gar keinen Pressdrang mehr spürt, oder das Baby die nun leider längere Geburt eben nicht mehr so gut verkraftet, so dass entsprechend nachgeholfen und beschleunigt werden muss.

Quelle: https://www.hebammenblog.de/geburt-ohne-pda/

Der Hebammenblog drückt das besser aus, als ich es je in Worte fassen könnte. Zudem wusste ich wie gesagt, dass es noch andere Optionen gibt. Das es nicht sofort eine PDA sein muss. Denn das ist einfach der größte Hammer, der, der mir vieles oder sogar alles nimmt. Das wollte ich nicht.

Wie war das denn bei dir?

Meine erste Geburt war toll. Ab Blasensprung dauerte es 6 Stunden bis mein Sohn da war. Ich hatte teilweise heftige Wehen. In der Wanne waren die sehr stark und was wirklich doof war: Die gingen mir sehr auf den Bandscheibenvorfall im LWS-Bereich. Das tat irgendwann übelst weh, ich verkrampfte mich und ich jammerte dass ich nicht mehr kann. Diesen Ichkannnichtmehr-Moment wird wohl jede Frau unter der Geburt irgendwann mal stärker, mal schwächer haben! Die Frage ist wie man damit umgeht: Kapituliert man komplett oder überlegt man sich was die Optionen sind und entscheidet dann?

Ich wies meinen Mann an die Hebamme zu rufen (man ließ unds zwischendurch immer allein im Kreißsaal, sozusagen Privatsphäre, da war ich auch sehr dankbar drum. Es hätte mich mehr genervt wenn ständig jemand um mich rumgewuselt wäre der NICHT mein Mann ist) und ich verlangte nach einem Schmerzmittel. Ich bekam eine kleine Spritze in den Rücken. Die nahm den Druck und den Schmerz aus dem Ledenwirbelbereich, nicht mehr, nicht weniger. Es war himmlisch! Ich hatte noch Wehen, aber nicht mehr diesen unerträglichen Rückenschmerz. Ich konnte mich dadurch wieder entspannen. Und das war ganz wichtig. Vor der Spritze war der Muttermund bei 5,5cm.

Es dauerte keine 30 Minuten, da ging plötzlich ein unheimlicher Ruck durch meinen ganzen Körper. Es war unheimlich. Was war das? Es folgte ein zweiter Ruck und mir war plötzlich klar: Das sind Presswehen! Ich hatte totale Panik, der MuMu war doch vorhin erst bei 5,5cm, ich darf noch nicht Pressen!!! Aber der Drang zu pressen ist übermächtig. Das ist wirklich unfassbar! Ich rief panisch das der Hebamme.. die kam und prüfte.. und sagte die schönsten Worte meines Lebens: “Der Muttermund ist komplett offen, sie dürfen pressen!”

Nach einigen Presswehen war unser Sohn dann da. Ich konnte ihn endlich auf den Arm nehmen. Ich war so glücklich – und alles andere egal!

Ich kann jeder Frau nur sagen: Diese Pressphase ist unglaublich toll. Was der Körper da leistet, ihr bekommt unheimlich viel Respekt vor euch selber. Das ist wie eine Droge. Es ist einfach unfassbar “amazing” (ich hab da keine anderen Worte für).

Was kann man tun um die Geburt zu erleichtern oder erträglicher zu machen?

Ich will zukünftigen Mamas Mut machen! Es muss keine PDA sein. Ihr schafft das. Ich weiß es macht einem Angst. Da passiert so viel. Immerhin kommt ein Kind zur Welt. Ihr müsst aber keine Angst haben. Es ist das natürlichste der Welt und ihr schafft das. Ihr wisst gar nicht wie stark ihr seid, ihr wisst gar nicht was euer Körper wirklich leisten kann!

Vertraut auf euren Körper!

Euer Körper weiß was er tut. Wie gesagt ist die Geburt das natürlichste auf der Welt. Steht ihm nicht im Weg. Hört in euch hinein und tut das was euch gut tut, probiert aus! Hüpfball, Hocker, Wanne, verschiedene Stellungen.. es gibt so viele Optionen. Wenn ihr nichts mehr vom GVK wisst, lasst euch von der Hebamme anleiten! Und lasst euch bloß nicht von eurer Mutter oder anderen Müttern sagen “Das muss so oder so” – Jede Frau und jede Geburt ist anders! Und das ist EURE Geburt, nicht die von irgend jemand anderem. Und glaubt auch bloß nicht eine Geburt sei wie im Fernsehn, wo die Damen auf dem Rücken liegen und vor Schmerz schreien und alles ertragen müssen. Das ist totaler Quatsch!

ATMEN!

Ganz wichtig: Atmen nicht vergessen. Ich kenne das selber in Stresssituationen: Man atmet nicht mehr gleichmäßig, man verkrampft sich und hält öfter die Luft an, atmet gepresst. Das ist im Kreißsaal ganz schlecht. Atmet ihr verkrampft, verkrampft ihr euch komplett, auch der Muttermund. Dann geht nichts weiter. Also irgendwie, egal wie, versuchen gleichmäßig zu atmen.

Versucht die Wehen als Freunde zu sehen – sie helfen euch auf dem Weg zu eurem Kind

Wehen tun weh. Sagt schon der Name. Aber ihr solltet versuchen sie anzunehmen. Sie tun viel weniger weh wenn man sich nicht dagegen wehrt, sondern sie annimmt und begrüßt (meine Güte klingt das esoterisch!). Meine Hebamme im GVK sagte etwas tolles “Stellt euch die Wehen wie Wellen vor. Ihr müsst auf ihnen reiten. Nicht versuchen dagegen zu halten”. Und das sagt eigentlich alles aus was man wissen muss. Wie ihr auf diesen Wellen reitet, das ist euer Ding. Manchen hilft tönen, manchen hilft laufen, manchen helfen bestimmte Atemtechniken, manchen Musik und tanzen. Oder vielleicht auch alles zusammen.

Und wenn nichts mehr geht weil es einfach beschissen schlimme Schmerzen sind?

Dann gibt es wie gesagt einige Optionen: Massagen durch den Partner, Akupunktur, entkrampfende Mittel oder Schmerzmittel die lokal gespritzt werden, Lachgas und natürlich die PDA. Ich will nicht sagen dass eine PDA generell blöd oder zu verteufeln ist. Das wäre ziemlich anmaßend und überheblich! Ich würde auch nie Müttern dumme Kommentare geben weil sie eine PDA hatten. Es ist eine persönliche Entscheidung! Aber ich finde es eben Schade dass man sofort an eine PDA denkt und andere Optionen offenbar komplett außer Acht gelassen werden. Gerade bei Erstlingsmamas. Ich lese da viel Angst heraus und das ist irgendwie Schade.

Ich hoffe ich kann der einen oder anderen Mut machen ♥

31 Jahre alt, 2 Kinder (2011 und 2017), verheiratet seit 2008.

Internetaffine Serienjunkie, Bücherwurm und Hörbuchfan, Gamerin, backt und kocht gerne, hängt an der (Strick-/Häkel-)Nadel und hat einen Hang zur Wollsucht.

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