Wie die Brille in unseren Alltag einzog

Nun, da wir uns alle daran gewöhnt haben, möchte ich mal darüber bloggen wie das Kind zu seiner Brille kam.

Im März 2015 waren wir bei unserem Kinderarzt zur U8. Die Untersuchung lief top.. bis auf den Sehtest. Den bestand er nicht. Schon bei der 3. Reihe war Schluss und ich dachte erst, mein Sohn hätte keine Lust. Dass er wirklich schlecht sehen konnte, darüber machte ich mir gar keine Gedanken. In unserer Familie gibt es keine Menschen mit angeborenen Sehschwächen. Klar, die Omas, Opas und so weiter haben Brille bedingt durch Alterssehschwächen. Aber KEINER hatte als Kind schon eine Brille. Bis auf zwei Kinder meines Onkels, das kommt aber von mütterlicher Seite (eingeheiratet), die Mutter trägt auch Brille.

Ich musste als Schülerin mal in die Sehschule. Aber nur weil ich ab einem bestimmten Punkt doppelt sah, meine Augenmuskulatur war rechts zu schwach und musste trainiert werden. Dafür musste ich mehrere Nachmittage zum Training in die Praxis kommen, danach war alles gut.

Wieso sollte also mein Sohn plötzlich schlecht sehen können? Der Arzt gab mir eine Überweisung zum Augenarzt mit, ich machte gleich am nächsten Tag einen Termin bei einem Augenarzt mit Sehschule aus.

Aber ich fragte auch mal im Kindergarten nach ob die Erzieher denn den Eindruck hätten dass der Butscher schlecht sieht. Die waren sehr erstaunt und meinten da: “Der Butscher? Schlecht sehen? Neeeeiin! Der doch nicht! Der erkennt doch alles, selbst die kleinsten Äste” – Tja.. wie man sich täuschen kann :-/

Augenarzttermin Nr. 1

Der Augenarzt-Termin war im Mai und wir waren beide (Mama und Papa) mit beim Augenarzt. Der Sohn war ganz entspannt. Bis er sich auf den Stuhl setzen sollte zum Sehtest. Obwohl die Ärztin ihm gegenüber freundlich war und ich ihn auf den Schoß nehmen durfte, verweigerte er jegliche Mitarbeit, hielt sich beide Augen zu und war nicht zum mitmachen zu überreden. Termin gescheitert.

Die Ärztin meinte dann, sie würde eh empfehlen die Augen weit tropfen zu lassen damit man es 100%ig ausmessen kann. Das würde man in der Augenklinik machen. Wir verließen dann auch diese Praxis mit einer Überweisung. Diesmal für die Augenklinik.

Als ich am selben Tag noch in der Augenklinik anrief, sagte man mir einen Termin für den 4. Dezember. Ich war kurz geschockt: “Sagten Sie gerade DEZEMBER?” – Ja sie sagte Dezember. Vorher wäre absolut nichts frei. Ich war wütend! Wenn es um mich gegangen wäre.. wäre es mir egal gewesen. Aber dass man Kinder so lange warten lässt finde ich einfach unmöglich. Ich wollte die Sache schnellstmöglich aus der Welt schaffen. Aber vor allem: Wenn er wirklich eine Sehschwäche haben sollte, müsste das so schnell wie möglich korrigiert werden! Er ist immerhin noch ein Kind. Aber ich konnte nichts tun, außer den Termin eben zu akzeptieren.

Dezember 2015 – Besuch in der Augenklinik

Am 4. Dezember saßen wir morgens um 8 Uhr im Wartezimmer der  Augenklinik und ich rechnete mit dem schlimmsten. Vor allem da ein älteres Mädchen im Wartezimmer Augentropfen bekam und schrie wie am Spieß. Der Sohn sah dies mit entsetzen und ich dachte nur “Scheiße.. das geht nicht gut. Der geht mir gleich die Wände hoch vor Angst!”

Wir wurden kurz darauf aufgerufen. Die Ärztin sprach sehr gelassen und freundlich mit dem Sohn, zeigte ihm verschiedene Geräte, machte einen spielerischen Sehtest mit ihm und erklärte ihm dann was als nächstes passieren würde. Das Augenweittropfen. Sie sagte mir dass es brennen könnte, für viele Kinder sei das sehr unangenehm. Ich sollte ihn auf den Schoß nehmen und trösten. Aber er machte das gaze sehr souverän und vor allem ohne Geschrei. Ich war wirklich stolz auf den jungen Mann. Mit seinen damals 4 Jahren war er tapferer als das Mädchen was mindestens doppelt so alt war!

Nach einer längeren Wartezeit bis die Tropfen ihre Wirkung voll entfaltet hatten, wurden dann die Augen gemessen und das Ergebnis war für mich wirklich schockierend. Hirnhautverkrümmung auf beiden Augen. Rechts -3,50 Zylindrisch und zusätzlich noch +0,5 Sphärisch – Links -1,50 Zylindrisch.

(Kurse Erklärung für Brillenunkundige: “Sphärisch” ist die normale Kurz-/Weitsichtigkeit durch verlängerten oder verkürzten Augapfel. Zylindrisch ist die Verkrümmung der Hornhaut die den Lichtstrahl dann nicht mehr sauber bricht sondern zerstreut)

Ich war kurz vorm heulen. Die Werte sind ja nicht gerade wenig, ich überlegte wie viel das arme Kind denn wirklich sehen konnte, ob er bisher im Kino, zuhause am Fernseher oder draußen überhaupt was erkannt hat. Man macht mir auch keine Hoffnung dass sich das “auswächst”. Er würde wohl immer eine Brille brauchen.

Wir bekamen eine “Brillenempfehlung” mit den Sehwerten, diese sollten wir beim Augenarzt dann zu einem Rezept umwurschteln lassen.

Zuhause saß ich Abends heulend auf dem Sofa und machte mir große Vorwürfe. Ich fühlte mich wie die schlechteste Mutter auf der Welt. Hatte ich irgendetwas falsch gemacht? Mich in der Schwangerschaft falsch verhalten, dem Kind irgendwas gegeben oder eben nicht gegeben und damit die Fehlsichtigkeit verursacht? Heute weiß ich dass das ziemlich absurd ist. Ich kan nichts dafür. Niemand kann etwas dafür. Es ist wohl eine Laune der Natur oder ein durchschlagendes Gen von dem keiner etwas wusste.. wer weiß das schon so genau. Aber es sind halt die Gedanken einer Mutter.

Die erste Brille

Herr Nord fuhr gleich in der darauf folgenden Woche (der 4. Dezember war ein Freitag) zur Augenärztin und gab den Zettel ab. Die wollte aber unbedingt auf den Arztbericht warten und erst dann das Rezept ausstellen. Also warteten wir. Und wir warteten lange. Denn der Bericht kam vor Weihnachten nicht mehr und dann war ja Praxisurlaub.

In der Zwischenzeit informierten wir uns über verschiedene Optikerangebote und machten uns bei der Krankenkasse schlau. Es ist wirklich eine Schande dass nicht mal mehr anständige Kinderbrillen komplett von der Kasse bezahlt werden. Aber unsere Kasse hatte eine Kooperation mit Fielmann, es gab einen “Erstbrillengutschein” mit dem dann zusätzlich Entspiegelung, Hartschichtversiegelung, Bonus aufs Gestell etc.

Als wir dann endlich das Rezept hatten, gingen wir im Januar zu Fielmann und suchten dort eine Brille aus. Der Sohn suchte sich ein hübsches, dezentes Metallgestell in Metallicblau aus und ich muss sagen dass ich sie wirklich klasse fand. Die stand ihm sehr gut.

Das Ärgerliche an der ganzen Sache war nur, dass wir ausgerechnet die Kinderbrille nicht versichern konnten. Weil wir den Erstbrillengutschein hatten. Kinderbrille ohen Versicherung.. war rückblickend die dümmste Idee überhaupt! Aber dazu später mehr.

Am 23. Januar konnten wir die Brille abholen. Ich machte mir mal wieder Sorgen. Diesmal darum wie der Butscher die Brille wohl akzeptieren würde. Ob wir viele Diskussionen hätten, ob er sich weigern würde, ob die Kinder im Kindergarten ihn hänseln würden…
Wir holten die Brille extra am Wochenende ab, damit er sich zwei Tage zuhause daran gewöhnen konnte, ohne noch den Trubel des Kindergartens dabei zu haben. Zudem hatte man uns auch dazu geraten, weil die Veränderung durch die hohen Werte doch extrem seien und der Butscher damit Probleme haben könnte. Kopfschmerzen und Schwindel zum Beispiel.

Das erste Wochenende mit der Brille verlief erstaunlich gut. Er setze die Brille auf ohne zu maulen. Er bat zwischendurch um kleine Pausen, da die Brille drückte und das Gefühl auf der Nase noch sehr ungewohnt war. Diese gewährten wir ihm natürlich auch, erinnerten ihn aber nach einer gewissen Zeit auch an das erneute Aufsetzen der Brille. Ich vermute dass er selber merkte wie gut er mit der Brille sehen konnte und sie daher so schnell akzeptiert hat.

Im Kindergarten verlief der erste Tag erstaunlich gut. Die Kinder akzeptierten ihn vorbehaltlos mit der Brille. Damit hätte ich nicht gerechnet. Vor allem da es bisher bis auf ein Mädchen keinerlei Billenträger-Kinder in der Gruppe gab – es also schon etwas besonderes war. Im Morgenkreis wurde wohl gefragt warum der Butscher denn jetzt eine Brille habe.. er erklärte dann, wie mir die Erzieher später erzählten, direkt dass er schlecht sehen würde und er die Brille jetzt habe, damit er besser sehen kann.

Der Alltag mit Brille

Der Alltag mit der Brille verläuft seitdem ziemlich reibungslos. Morgens reinige ich die Brille unter fließendem Wasser mit ein wenig Spülmittel, dass ich vorher mit Daumen und Zeigefinger aufschäume, und trockne die Brille dann mit einem Brillentuch. Der Sohn vergisst seine Brille ab und zu mal, und es kam schon vor dass er ohne Brille in den Kindergarten ging. Meine Schwangerschaftsdemenz trägt da auch seinen Teil dazu bei. Er ist damit aber auch schon im Bett eingeschlafen, weil er sie vergessen hat abzusetzen.

Die Brille musste leider nach gerade mal 4 Wochen in die Werkstatt. Der Butscher hatte einen fetten Kratzer quer über dem rechten Glas. Das Glas musste dann ersetzt werden un ich musste draufzahlen, da die Kasse nicht den Schnickschnack wie Entspiegelung bezahlt. Der Butscher hatte dadurch zwei Tage lang keine Brille. Auch die Nasenpads stimmten mich nicht froh, wir mussten circa alle 4 Wochen zu Fielmann, und da wir hier keinen haben, extra in die Stadt fahren um die Pads tauschen lassen. Eine Sache von 30 Sekunden, aber mindestens 20 Minuten Fahrtzeit plus rumgeeiere im Einkaufszentrum pro Strecke. Sehr ärgerlich! Als Kind hat er weiche Silikonpads für das Kindernäschen. Durch das ständige Tragen gingen die schnell kaputt und das nackte, scharfkantige Plastik hat ihm beim ersten Mal die Nase richtig blutig gerieben. Das war natürlich sehr schmerzhaft.

Und ich hatte dadurch die Erkenntnis dass der Butscher unbedingt eine Ersatzbrille braucht, für den Fall der Fälle. Beim nächsten Augenarzttermin wurden die Werte korrigiert weil er beim Sehtest mit Brille trotzdem noch Defizite hatte, und die Ärztin vermutete dass die Achse für die Krümmung nicht stimmt, da er nur bestimmte Sachen nicht erkennen konnte. Also wurde noch mal weit getropft und wir bekamen ein Rezept mit veränderten Werten. Aber nicht nur die Achsen erhielten neue Werte. Auch die Werte für die Krümmung haben sich noch mal erhöht auf rechts -3,75 und links auf -2,0.

Da ich mit Fielmann nicht zufrieden war, gingen wir diesmal zu Apollo, wo ich im letzten Jahr auch eine Brille bekam, denn ich habe inzwischen eine normale (leichte) Alterssehschwäche. Ich kann zwar noch gut lesen, aber weiter entfernte Sachen wie Straßenschilder in bestimmter Entfernung entziffern geht nicht mehr 😀 Man wird halt alt. Ich habe die Brille nicht ständig auf. Fürs Kino oder so, ist sie aber sehr nützlich. Ich sehe zwar auch ohne Brille gut, aber mit Brille ist das dann halt High Definition 😂

Der Sohn fand bei Apollo auf Anhieb eine tolle Brille. Diesmal ein Kunststoffgestell in Rot und Blau. Ohne Nasenpads. Damit waren wir alle sehr einverstanden! Und diesmal auch mit Brillenversicherung, aber ohne Entspiegelung. Aber wieder mit spezieller Härtung die Kratzer minimiert. Bei Kinder ist das echt ein Muss! Vor allem bei welchen die jeden Tag draußen spielen und im Kindergarten toben!

Die Brille gehört jetzt zu unserem und vor allem zu Butschers Alltag dazu. Es ist okay so. Ich bin gespannt ob er sich die Augen irgendwann operieren lässt. Verstehen könnte ich es gut, bei den Werten. Aber das hat noch lange, lange Zeit und bis dahin werden wir sicher noch einige Brillen aussuchen, tragen und reinigen.

31 Jahre alt, 2 Kinder (2011 und 2017), verheiratet seit 2008. Internetaffine Serienjunkie, Bücherwurm und Hörbuchfan, Gamerin, backt und kocht gerne, hängt an der (Strick-/Häkel-)Nadel und hat einen Hang zur Wollsucht.

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