Mit Kindern beim Mc Donalds

Neulich meinte ein kinderloser Klugschnacker bei Twitter:

Immer diese Asozialen mit ihren Kleinkindern bei McDonald’s. Möchte denen gerne direkt ins Gesicht schlagen.

Diesen Tweet möchte ich hier mal auseinander nehmen und zu verschiedenen Teilen meine(!) Meinung ausführlich kund tun. Wer die nicht teilt kann das rote X rechts oben benutzen 😉

Der Tweet an sich ist mal einfach unterste Schublade. Die ganze Äußerung ist nur peinlich. Von oben herab geurteilt und obendrein noch mit Gewaltandrohung versehen. Bravo! Ganz groß gesprochen!

Kinder und FastFood

FastFood ist nicht gesund. Egal ob Mc Donalds, Burger King, KFC oder das Schnellrestaurant im Shoppingladen. Daran lässt sich nichts diskutieren. Das ist einfach mal so. Wissen wir alle, ne?
Allerdings sind Schokolade, süßer Tee oder Salzstangen im Übermaß (jetzt mal so als Beispiel) auch nicht gesund, und trotzdem bekommt sie jedes Kind!

Das Geheimnis des Ganzen lautet: in Maßen! Nicht Massen 😉

Es ist ein Unterschied, ob jemand täglich für sein Kind Frühstück, Mittagessen und/oder Abendbrot zubereitet – ohne MaggiFix und Co. oder nur Tütenkram kocht, die Kinder kein Gemüse oder Obst kennen und man beim Pizzaservice um die Ecke schon mit Vornamen bekannt ist.
Wenn die ersteren ab und zu mal zum Mäcces fahren mit ihrem/n Kind(ern) – na und? Wen juckt das denn bitte? Verkommen wir jetzt ernsthaft zu einer 100%-Obermoralgesellschaft?
Wenn es allerdings die letzteren tun, das ist schon bedenklicher. Allerdings auch dann noch nicht “asozial” wie der Herr das so schön abfällig betitelte. Und schlagen muss man schon mal gar nicht! Erst recht nicht wegen so was.

Ja Kinder werden heute immer öfter dick und dicker. Das liegt auch am Essen. Aber nicht nur. Es ist das Gesamtpaket aus schlechtem Essen, keine Bewegung, viel Konsole/Glotze/PC. Wir sind bequem geworden. Das ist ein allgemein gesellschaftliches Problem der heutigen Entwicklung. Das kann man nicht in einem Tweet abwatschen und mal pauschal alle über einen Kamm scheren!

Zum Glück gibt es da inzwischen schon einen Gegentrend. Sportvereine sind wieder reger besucht. In Kindergärten und Schulen gibt es immer öfter Dialoge, Gruppenarbeit und Pläne zu gesünderem Essen und mehr Bewegung.
Wer nicht kochen kann, kauft sich einen Thermomix. Das Teil ist idiotensicher und gibt einem alles vor. Wer damit dann immer noch nicht kochen kann, der sollte seine Küche wohl am besten von außen mit einem massiven Vorhängeschloss sichern.
Es gibt eigentlich keine Ausreden mehr nicht frisch zu kochen.

Aber ich muss gestehen dass ich auch keinen Bock hab jeden Abend eine Stunde oder mehr in der Küche zu stehen und aufwendig zu kochen. Manchmal sind die Tage stressig oder ich bin einfach müde. Dann gibt es was schnelles. Das muss aber nicht ungesund sein. Salat oder was eingefrorenes tut es auch, das geht auch schnell 😉 Aber weil das Kind keinen Salat mag (das tun ja die wenigsten Kinder) kriegt der halt was anderes. Nudeln, Salamibrot etc.
Und Mäcces geht dann halt auch mal, wenn man gerade nix schnelles zuhause hat. So lange es eben nicht die Regel ist.

Und wie ist das bei uns so?

Die Tage an denen wir zum Mäcces fahren sind bei uns meist Tage an denen wir Ausflüge machen. Und ich glaube – so dämlich oder verherrlichend sich das für den einen oder anderen anhören mag – dass das eine das andere durchaus aufwiegt!
Wenn wir, wie diesen Samstag, den ganzen Tag unterwegs waren: mit dem Kind bei SeaLife und danach durch die Herrenhäuser Gärten marschiert. Dann darf man sich auch mal was vom Mäcces gönnen damit das Kind nicht bei Ankunft nach 20 Uhr noch auf sein Essen warten muss, weil Mutti das erst noch kocht. Und um ehrlich zu sein: Ich war auch ganz froh nicht noch am Herd stehen zu müssen. Mir taten nämlich die Fuße anständig weh!
Und das Kind hat sich auch über Pommes und Nuggets gefreut. Wobei das Spielzeug hier immer interessanter ist als das Essen. Der hat noch nie aufgegessen bei den Läden (bei KFC mag er btw. überhaupt nichts essen). Er hat sich dann ja auch viele Stunden an der frischen Luft bewegt, was gesehen und erlebt usw. – da muss man vielleicht auch mal das Gesamtpaket sehen.
– Das heißt übrigens nicht dass wir jedes Mal zum FastFood gehen wenn wir irgendwo hin fahren –

Es geht ja eigentlich nicht um das “zum Mäcces gehen” an sich. Sondern um das Nicht zu hause auf dem Sofa zu versauern, Faul sein, Fertigessen futtern. Stattdessen raus gehen und was machen. Dem Kind die Welt zeigen!

Ich hatte das früher nicht. Die Ausflüge die wir in meiner Kindheit (und damit meine ich bis ich 18 war) gemacht haben, die kann ich an einer Hand abzählen. Das hatte verschiedene Gründe. Unter anderem weil meine Mama alleine war, weil sie so viele andere Dinge hatte um die sie sich gekümmert hat (wie z.B. meinen bettlägerigen Opa zu pflegen), wir wenig Geld hatten usw. – wie gesagt es kam da einiges zusammen.
Das ist jetzt grundlegend nix schlechtes, meine Mama war keine schlechte Mutter. Aber irgendwo find ich es heute schon schade dass das nicht ging.

Ich habe mir daher geschworen dass das mit meinem Kind anders wird und das setzen wir konsequent durch. Zum Beispiel haben wir jetzt Merlin Premium Jahreskarten gekauft und waren auch die letzten Wochen zwei Mal im Heidepark (und man mags kaum glauben, aber irgendwie hat das einen therapeutischen Effekt auf den Sohn).
Mein Sohn war mit seinen 4 Jahren schon in mehr Freizeitparks, Museen und Zoos als ich in meinem ganzen bisherigen Leben. Und das ist so viel mehr wert als eine Diskussion um “Darf man mit Kindern zum FastFood-Laden”.

Das ganze kurz zusammengefasst:
Ich sage JA – Darf man! Aber man muss Kindern beibringen dass das kein normales Essen ist. Dass das eine Ausnahme ist die man mal macht. Man muss Kindern gesundes Essen beibringen, zeigen, mit ihnen kochen!

Kinderlose urteilen über Eltern und Kinder

Das Thema ist schon sehr gefährlich. Bitte fühlt euch da nicht auf den Schlips getreten. Aber ganz ehrlich? Haltet doch einfach mal die Klappe! Oder urteilt nicht vorschnell über etwas, dass ich nicht selbst erlebt oder entscheiden müsst! Überlegt euch einfach mal was ihr da eventuell vom Stapel lasst.
Jedes Kind und jedes Elternteil ist anders. So lange Kinder glücklich und zufrieden sind, nicht geschlagen werden oder nackich durch den Schnee rennen ist doch alles Tutti! Jeder muss SEINE Kinder so erziehen wie er das für richtig hält. Und ich bin diese Shitstorms inzwischen so Leid. Das ist auch der Hauptgrund wieso ich Abstand von der Mama-Szene genommen habe. Diese ständige Moralapostelei nervt einfach nur!
Leben und Leben lassen. Wir haben halt alle andere Moralvorstellungen oder Einstellungen zu bestimmten Dingen. Je früher man das akzeptiert desto besser!

Ich nehme mich da nicht aus. Ich habe vor vielen Jahren, jung und dumm wie ich war, auch so viel Schwachsinn verzapft wenn ich bestimmte Eltern-Kind-Paare gesehen habe. Oder auch mal lautstark verkündet wie ich später mal mit meinem Kind umgehen würde. Heute ist mir das schrecklich peinlich oder ich muss selbst den Kopf schütteln wenn ich daran denke.

Denn wenn man erst mal ein eigenes Kind hat, dann fällt man mal ganz hart auf die Schnauze mit einigen früheren Aussagen. Es ist echt was komplett anderes von außen zu urteilen, als es dann selber zu erleben!
Vor allem da man vorher nicht weiß, welchen Charakter und Willen das eigene Kind mal besitzen wird 😉 Und glaubt mir, den haben die früher als einem Lieb ist!

31 Jahre alt, 2 Kinder (2011 und 2017), verheiratet seit 2008. Internetaffine Serienjunkie, Bücherwurm und Hörbuchfan, Gamerin, backt und kocht gerne, hängt an der (Strick-/Häkel-)Nadel und hat einen Hang zur Wollsucht.

Kommentar verfassen