Wir ALLE brauchen Hebammen!

Heute ist der Tag der Hebammen. Ich möchte diesen Tag nutzen um auf die Not dieses Berufsstandes aufmerksam zu machen. Denn mir scheint es, als würde es vielen am Allerwertesten vorbei gehen, dass dieser Beruf kurz vor dem Aus steht.

Dabei muss uns das alle angehen. Egal ob Mann, ob Frau. Ob wir Kinder haben oder wollen oder es noch gar nicht so genau wissen.

Wir alle haben mindestens einmal im Leben eine Hebamme gebraucht: Bei unserer eigenen Geburt!

Aber nicht nur dann! Ich hatte eine tolle Schwangerschaft mit meinem Sohn. Schon früh hat mich unsere Hebamme betreut. Schon ab dem 4. Schwangerschaftsmonat hatte ich im Wechsel immer einen Vorsorge-Termin bei der Hebamme und einen bei meiner Frauenärztin.

Natürlich macht die Hebamme keinen Ultraschall, aber sie misst und wiegt, macht CTGs, beruhigt bei Sorgen, gibt Tipps. Man kann mit ihr viel entspannter sprechen als mit der Ärztin.

Das schöne daran war auch, dass ich so schon eine sehr innige Beziehung zu “meiner” Hebamme hatte, die mich auch nach der Geburt in der Wochenbett-Zeit betreut hat.

Wochenbett? Was ist das eigentlich?

Für all diejenigen die noch keine Kinder haben eine berechtigte Frage: Als Wochenbett gilt die Zeit von ca. 8 Wochen nach der Geburt. Alles ist neu, noch frisch. Man hat viele Fragen zum Baby, zum eigenen Körper, man hat den so genannten “Wochenfluss”. Vielleicht auch Stillprobleme oder macht sich Gedanken um das Gewicht des Kindes, den Bauchnabel oder ähnliches.

Dafür muss man nicht zum Arzt. Die Hebamme kommt zu Mama und Baby nach Hause. Sie wiegt das Baby, schaut sich den Allgemeinzustand und den Bauchnabel an, untersucht die Mutter, tastet den Bauch ab, hilft bei Problemen. Auch die Väter können Fragen stellen. Das erste Baden begleitet die Hebamme (So war es bei uns zumindest). Es erleichtert den Start als Familie ungemein. Bei uns war die Hebamme immer ein Ruhepol. Wir hatten Stillprobleme. Der Butscher wollte von Anfang an nicht an die Brust. Ich habe Nächtelang geweint und mir Vorwürfe gemacht. Meine Hebamme hat mich beruhigt, mich getröstet, versucht mich zu unterstützen, mir zur Seite zu stehen.

Im Krankenhaus geboren – mit Hebammenunterstützung

Der Butscher wollte nicht raus. Egal was ich tat. Yogi-Tee, Zimt, Kilometerlanges Laufen, Baden und, und, und…

So kam es dass ich bei SSW 41+3 mit erhöhtem Blutdruck ins Krankenhaus eingewiesen wurde. Zur Einleitung.

Einleitung. DAS Angstwort neben Kaiserschnitt. Beides wollte ich nicht. Keine Tabletten, kein Tropf, keine Schnitte!! Und dann das. Mit Magenschmerzen fuhr mein Mann mich Mittags in die Klinik. Und dann? Kam alles anders.

Die Hebammen im Krankenhaus waren klasse! Abends um 22 Uhr bekam ich einen natürlichen Wehencocktail aus Rizinusöl, Mandelmus und Mineralwasser. Ja es schmeckte wirklich eklig. Aber es half! Und das auf ganz natürliche Weise. Die Nacht über hatte ich leichte Wehen, aber so dass ich noch Schlaf bekam. Morgens war es dann weg. Aber es war nur die Ruhe vor dem Sturm, denn kurz darauf machte es *plop* und die Fruchtblase platzte. Ab da waren es 6 Stunden bis mein Sohn da war. Ohne Medikamente, ohne Tropfe, ohne künstliche Einleitung, ohne Kaiserschnitt.

Eine Hebammenschülerin betreute uns im Kreißsaal. Und das so souverän und sicher, dass ich gar nicht merkte dass sie noch Schülerin war und keine fertig ausgebildete Hebamme! Erst bei der Austreibungsphase war dann eine erfahrene Hebamme anwesend. Beide sprachen mir Mut zu, feuerten mich an, gaben meinem Mann Aufgaben. Halfen unserem Sohn auf die Welt. Halfen einem Wunder.

Was wird beim nächsten Kind?

Ich hibbele zur Zeit. Wir wollen noch ein Kind. Und mir wäre es lieb, wenn ich jetzt gleich schwanger wäre. Auf alle Fälle ein ET bis Mai 2016 wäre gut. Ich will eine Nachsorge haben. Ich will das meine Hebamme mich in der Wochenbett-Zeit zuhause besuchen kommt. Denn wer weiß was nach Juni 2016 passiert. Dann läuft die allerletzte Versicherung für die Hebammen aus! Und dann?

Was, wenn die Hebammen nicht gerettet werden? Wenn es keine Hausbesuche, keine Schwangerschaftsbetreuung durch Hebammen mehr gibt? Wer betreut die Frau im Wochenbett? Soll man dann mit einem frischen Neugeborenen und einer mehr oder weniger starken Wochenbettblutung beim Frauenarzt sitzen, wo man bisher eigentlich erst 6-8 Wochen nach Geburt hin muss? Wer hilft mir wenn meine Brustwarzen bluten? Wenn mein Baby Koliken hat und ich nicht weiß was ich tun soll?

Wer unterstützt bei Stillproblemen? Hilft beim ersten unsicheren Bad? Guckt sich den Bauchnabel an? Beantwortet Fragen die man nun mal im Alltag als frisch gebackene Mama oder Papa so hat?

Bisher waren die Hebammen dafür da. Aber was wird ohne Hebammen?

Meine Hebamme ist nicht mehr in Deutschland tätig

Beim nächsten Kind kann mich meine Hebamme (sie heißt Birgit) von damals nicht mehr unterstützen. Früher war sie selbstständig tätig hier im Umkreis, hatte eine Partnerschaft mit meiner Frauenärztin, war zweimal die Woche dort in der Praxis zu Besuch um die Schwangeren zu betreuen. Ansonsten unterwegs auf Hausbesuche. Und nun? Ist sie weg. arbeitet in einer Klinik in der Schweiz.

Als ich das erfuhr war ich ziemlich erschüttert und unendlich traurig.

Ich habe schon öfter darüber nachgedacht unseren Kinderwunsch aufzugeben wenn das alles mit den Hebammen scheitert und ich vorher noch nicht schwanger geworden bin. Wenn unsere Regierung nichts für den Erhalt dieser Berufsgruppe tut. Mir fehlt dann einfach eine große Sicherheit die vorher gegeben war.

Da heißt es seit Jahren von der Politik man will das Kinderkriegen attraktiver machen! Deutschland brauche mehr Kinder! Will mehr KiTa-Plätze schaffen, Elterngeld, Kindergeld erhöhen, Betreuungsgeld und weißnichtwas.. aber lässt die Hebammen im Stich? Das passt doch nicht zusammen!

Das wichtigste beim Thema Kinder ist doch als allererstes (abgesehen vom basteln 😉 ) die Schwangerschaft und die Geburt. Das ist die Grundlage für das Kinder-haben. Und die wird gerade massiv zerstört. Mit dem im Stich lassen der Hebammen, mit den Schließungen von Geburtsstationen und Krankenhäusern.

 

Hebammen sind wichtig!

Hebamme ist einer der ehrenwertesten Berufe dieser Welt! Und in Deutschland ist er anscheinend nichts mehr Wert! Das kann es doch nicht sein!!!

Diese Frauen, unsere Hebammen, helfen jeden Tag den kleinen, neuen Wundern auf die Welt, begleiten Frauen in der Schwangerschaft und in der Nachsorge, helfen frisch gebackenen Eltern dabei eine Familie zu werden.

Wir ALLE brauchen Hebammen. UNS ALLE GEHT DAS AN!!! EGAL OB FRAU ODER MANN! EGAL OB ALT ODER JUNG!

Egal ob wir schon Kinder haben oder nicht. Uns allen hat eine Hebamme auf die Welt geholfen. Wir alle haben Kinder, Enkel, Neffen, Nichten, Geschwister oder Patenkinder die vielleicht später auch mal Kinder haben möchten. Wollen wir denn nicht, dass sie eine ebenso gute Vorsorge, Geburtshilfe und Nachsorge haben, wie wir heute? Oder gar eine Bessere? Aber doch keinesfalls eine schlechtere!

Was kann ich tun?

Informiert euch auf den Seiten: Hebammen e-Petition, www.unsere-hebammen.de, Hebammenunterstützung, ein Portät einer Hebamme

Viel! Unterstützt lokale Protestaktionen, insofern es euch möglich ist.

Schreibt an eure zuständigen Abgeordneten, Bürgermeister o.ä.

Unterschreibt Petitionen. Wie z.B. diese

Oder seid so mutig und unterstützt die Sammelklage für das Recht auf Wahlfreiheit

Twittert mit dem Hashtag #Hebammen oder #Hebammenrettung. Schreibt auf Facebook, bloggt, macht aufmerksam auf den Notstand!

 

Irgendwann ist es zu spät. Und dann können wir nur noch den alten Zeiten hinterher trauen und sagen “Ach hätten wir doch damals mehr getan”. Lasst es nicht so weit kommen!

31 Jahre alt, 2 Kinder (2011 und 2017), verheiratet seit 2008.

Internetaffine Serienjunkie, Bücherwurm und Hörbuchfan, Gamerin, backt und kocht gerne, hängt an der (Strick-/Häkel-)Nadel und hat einen Hang zur Wollsucht.

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