Zum 4. Geburtstag kam die Schnullerfee

Wir haben öfter mal blöde Kommentare, Blicke oder gar Kritik geerntet weil unser Sohn mit 3 Jahren noch einen Schnuller hat. Das ist schön und gut dass so viele Leute das blöd finden, kann ja auch jeder seine Meinung haben. Aber diese kritischen Blicke und das alles, das geht mir tierisch auf den Geist. Genau wie noch kein Kind an der Windel hängen geblieben ist, ist noch keiner bis ins Erwachsenenalter Schnuller-süchtig geblieben. Fetisch mal ausgenommen.

Ich weiß und akzeptiere gerne, dass es Eltern gibt die ihrem Kind erst gar keinen geben oder den Schnuller schon im 2. oder 3. Lebensjahr abgewöhnen. Das ist okay, das muss jeder selber wissen. Und da sind wir auch schon beim Thema. “Das muss jeder selber wissen” – Jeder lebt und erzieht anders und keiner hat das ultimativ allgemeingültige Rezept. Auch wenn ich mich hier zu unserer Erziehung oder zu Erlebnissen äußere, es sind Momente und Ausschnitte aus unserem Leben und unserer Erziehung. Vielleicht dienen sie als Anregung, vielleicht als Beispiel, vielleicht auch als Diskussionsstoff für mich selbst – aber niemals(!) als Belehrung oder als “So und nicht anders”.

Ich wollte meinem Kind nicht den Schnuller abnehmen, wenn ich noch den Eindruck habe dass er ihn braucht. Wenn er ihn zwischenzeitlich freiwillig abgegeben hätte – okay. Seine Entscheidung. Hat er aber nicht. Er hing sehr an dem Ding.

Ich möchte an dieser Stelle mal folgendes zitieren:

Aus kiefernorthopädischer Sicht sollte der Schnuller spätestens um den zweiten Geburtstag herum abgewöhnt werden. Bis dahin entstandene Verformungen am Gaumen können sich dann noch von selber wieder zurückbilden. Dem steht aber die Ansicht von vielen Kinderärzten und Psychologen gegenüber, die auf Rücksicht auf die seelische Entwicklung empfehlen, einem Kind den heiß geliebten Schnulli bis etwa zum 4. Geburtstag zu lassen. Ab dann sind normal entwickelte Kinder meist gut in der Lage, auf das Beruhigungsnuckeln zu verzichten, und können sich anderweitig trösten.

http://www.rund-ums-baby.de/baby/schnuller/schnuller-abgewoehnen.htm

Der Butscher ist ein sehr sensibler Kerl. Das hat mir auch sein Erzieher diese Woche im Elterngespräch bestätigt. Er braucht bestimmte Sicherheiten. Der Schnuller gehörte da lange Zeit dazu. Vor allem da er erst im Sommer in den Kindergarten kam und nicht wie viele andere schon in der Krippe war. Als er in den Kindergarten kam, haben wir abgemacht, dass der Schnulli zu Hause bleibt. Daran hat er sich auch gehalten. Und langsam haben wir gemerkt dass er sich löst. In der letzten Zeit hat er ihn mir öfter in die Hand gedrückt, es sich dann zwar immer wieder anders überlegt und ihn wieder eingefordert – aber das war für mich ein Zeichen dass es Zeit ist die Schnullerfee zu benachrichtigen. Am besten zum Geburtstag, da hat er so viele neue Sachen und Ablenkung dass er ihn dann vielleicht am wenigsten vermisst.

Wieso wir die Schnullerfee gewählt haben

Auch das ist eine Überlegung wert. Es gibt ja nicht nur diese Option. Es gibt auch noch den Schnullerbaum wo man seine Schnuller aufhängen kann, sie eintauschen oder verschicken oder er hätte seinen Schnuller einem Baby aus dem Bekanntenkreis schenken können das ihn dringender braucht. Aber das war nicht sein Ding. Er hätte ihn dann im letzten Moment, wenn es ernst wird, nicht rausgerückt.

Also fragte ich letzte Woche den Butscher “Duuu, sag mal, was hältst du davon, wenn ich der Schnullerfee schreibe, damit sie in der Nacht vor deinem Geburtstag kommt und die Schnuller abholt? Die lässt dir dann bestimmt auch ein Geburtstagsgeschenk da!” – er stimmte sofort zu. Ohne bedenken.

Da der Butscher aber nicht doof ist und alles ganz genau wissen will, kam auch die Frage “Was macht die Schnullerfee eigentlich mit den ganzen Schnullern die sie abholt?” – Ich sagte ihm da gäbe es verschiedene Optionen. Die Schnullerfee würde die Schnuller meist zu Kindern bringen die Trost brauchen und deren Mamas und Papas zu wenig Geld haben um Schnuller zu kaufen – denn es gibt Dinge die wichtiger sind, für die man das Geld dann eher ausgibt als für Schnuller. Essen zum Beispiel. Fand er super. Fragte aber dann was passiert wenn er das nicht will. Ich sagte ihm dann würde die Schnullerfee die Schnuller zum nächst gelegenen Schnullerbaum bringen und aufhängen. Das fand er gut.

So musste ich mit ihm vereinbaren dass die Schnullerfee seine Schnullis nicht an andere Kinder schenkt, sondern zum Schnullerbaum bringt. Warum, das weiß wohl nur er selber. Er wollte mir darauf keine Antwort geben. Vielleicht mag er die Vorstellung nicht, das ein anderes Kind seinen Schnulli nuckelt. Mag ihn da auch nicht zwangsweise umstimmen bzw. überreden wegen irgendwelcher moralischer Beispiele.

Der Erzieher fand die Idee die Schnullerfee zum Geburtstag kommen zu lassen übrigens auch sehr gut.

Das Geburtstagskind mit einem lachendem und einem weinenden Auge

Also kam Montag auf Dienstag in der Nacht die Schnullerfee. Und die musste ganz schön ziehen. Denn wie immer, wenn man so etwas vor hat, fällt der Schnuller im Schlaf nicht raus sondern sitzt so fest wie ein Weinkorken! Aber mit einem *plop* ging es dann doch 😉

Natürlich hat die Schnullerfee auch was da gelassen. Nichts teures, nicht großes. Aber etwas, was er sich gewünscht hat. Von Lego Duplo den bunten “Eisspaß”. Wurde auch sofort ausgepackt und ist seitdem eins der Highlights hier.

Aber er hat den Schnuller auch vermisst. Er hat mich gestern mehrmals danach gefragt, hat auch seiner Erzieherin sein Leid geklagt. Beim abholen kramt er normalerweise gleich den Schnuller aus meiner Jackentasche und da war gestern keiner drin. Das war einer der schmerzlichen Momente für ihn. Eine Gewohnheit die fehlte. Aber er überwand das schnell und gestern Abend ist er dann auch eingeschlafen ohne mich noch mal nach dem Schnuller zu fragen. Das hätte ich nicht erwartet. Ich bin ganz schön stolz auf ihn!

Irgendwann in zwei, drei Wochen wenn die Schnullersehnsucht abgeklungen ist, werden wir mal den nächst gelegenen Schnullerbaum besuchen. Und dann werde ich den Herr Nord vor schicken um den Schnullerbaum zu suchen – damit er heimlich die Schnuller dran hängen kann und der Butscher sieht dass die Schnullerfee sich an unsere Abmachung gehalten hat. 😉

31 Jahre alt, 2 Kinder (2011 und 2017), verheiratet seit 2008.

Internetaffine Serienjunkie, Bücherwurm und Hörbuchfan, Gamerin, backt und kocht gerne, hängt an der (Strick-/Häkel-)Nadel und hat einen Hang zur Wollsucht.

Kommentar verfassen